Peter Koenig
Veröffentlicht am: 02. Januar 2003
1 Welche Vor- und Nachteile hat eine Master-KAG im Vergleich zu verschiedenen KAG-Beziehungen?
Bei sogenannten „all-in“ Lösungen wird in der Regel nicht jede Funktion bestmöglich abgedeckt werden. Transparenz im jeweiligen Teil der Wertschöpfungskette einerseits und die Konzentration auf die jeweiligen Kernkompetenzen andererseits bringen effizientere Lösungen für den Anleger. „All-in“ Lösungen können aufgrund ihrer Einfachheit nach wie vor interessant bleiben, z.B. für Anleger mit weniger als fünf Fonds.
2 Für wie wichtig schätzen Sie die funktionale Trennung von Asset Manager, Master-KAG und Custodian ein?
Die Funktionen der Master-KAG und des Custodian liegen nahe beieinander, müssen aber qua Gesetz aus getrennten Einheiten erfolgen. Zukünftig empfiehlt es sich auch, dass die Master-KAG nicht gleichzeitig als Asset Manager auftritt. So können eventuelle Interessenkonflikte zwischen konkurrierenden Anbietern verhindert werden.
3 Welcher Anbieter sollte die Reporting-Funktionen übernehmen? Der Asset Manager, die Master-KAG oder der Custodian?
Der Asset Manager wird über seine Anlagestrategie berichten. Master-KAG und/oder Custodian sind für die Fondsbuchhaltung verantwortlich, wobei der Service einer guten Attributionsanalyse vom Anleger wohl geschätzt werden wird.
4 Besteht Ihrer Meinung nach ein Interessenkonflikt, wenn der Asset Manager Reporting-Funktionen beibehält?
Der besteht nur, wenn die Master-KAG gleichzeitig als Asset Manager auftritt, bei der oben genannten Aufteilung aber nicht. Ein gewisser zusätzlicher Aufwand entsteht nur an den Schnittstellen: es müssen z.B. Bewertungsdifferenzen aufgrund unterschiedlicher Kursversorgung geklärt werden. Nach unserer Erfahrung ist dies aber kein Problem.
5 Welche Anforderungen stellt der Investor an die Master-KAG, den externen Berater und den Custodian?
Hohe Expertise und Professionalität bei der jeweils zugewiesenen Funktion. Und eventuelle Schnittstellen-Probleme müssen untereinander geklärt werden.
6 Was sind die Vor- und Nachteile der Integration von Master-KAG und einer hausinternen Depotbank?
Die Prozesse sind bei beiden Tätigkeiten sehr ähnlich, so dass aus Anbietersicht mit Kostenvorteilen aus Synergien beider Funktionen gerechnet werden kann. Der Anleger muss dann abwägen, inwieweit mögliche Kostenvorteile einerseits und Auswahl des jeweils besten Anbieters im Markt im Verhältnis zueinander stehen.
7 Welche Anforderungen muss die Master-KAG erfüllen, um mit externen Beratern und Custodians arbeiten zu können?
Die Master-KAG sollte idealerweise die Schnittstellen einrichten und ‚managen‘. Dabei sollte sie sich aber als Service-Anbieter verstehen und auch als Controlling-Instanz, aber nicht als ‚Herrscher über die Prozesse‘.
8 Welche Informationen erwartet der Investor, um sein Vermögen effektiv steuern zu können?
Das betrifft die ganze Bandbreite der Kommunikation zwischen Anleger und Fondsmanager – vom Reporting über einzelne Transaktionen bis zur Strategieberatung mit Kapitalmarktszenarien. In einem Master-KAG-Konzept ist zu erwarten, dass der Asset Manager sich stark auf sein konkretes Mandat und die sich daraus ergebenden Informationen konzentrieren wird.
9 Wer sollte IAS-bedingte Reporting-Aufgaben übernehmen: Der Custodian oder die Master-KAG?
Für die Bilanzierung auf der Seite des Anlegers wird man sich auf ein Reporting einigen müssen. Hier werden sich dann die besseren Systeme und der bessere Service durchsetzen, mit entsprechendem Niederschlag bei den Gebühren. Insofern gibt es hier kein Präjudiz.
10 Wo liegt der Added Value bei der Einschaltung eines Custodians?
Konzentration auf Kernkompetenz in diesem Gebiet und einheitliches Reporting. Gegebenenfalls können auch Untermandate für Spezialgebiete vergeben werden, die Konsolidierung findet dann aber an einer Stelle statt.
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