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Liberaler Gesetzesentwurf mit Mängeln

Veröffentlicht am:  03. September 2003
— Dr. Lars Jaeger
Partner der Partners Group, Zug, Schweiz

Aus Sicht der schweizerischen Partners Group ist der Gesetzesentwurf zum Investmentmodernisierungsgesetz positiv zu beurteilen. In puncto Transparenz und Risikomanagement bleibt er allerdings hinter bereits bestehenden Möglichkeiten zurück.

Der Entwurf ist ein wichtiger Meilenstein, um deutschen Anlegern den Zugang zu Hedgefonds zu ebnen. Deutschland hat damit gute Chancen, von einem „Hedgefonds-Entwicklungsland“ zu einem Spitzenreiter dieser Branche zu werden. Positiv zu bewerten ist vor allem die liberale Grundhaltung der Bestimmungen zu Hedgefonds, die der Branche viele Freiheiten zugesteht. Als Beispiele können die unbeschränkte Kreditaufnahme, die Regelung von Leerverkäufen und das Fallenlassen der Strafbesteuerung bei transparenten Offshore-Funds genannt werden. Auch die Differenzierung zwischen Privaten und Institutionellen macht mit Blick auf unterschiedliche Bedürfnisse im Anlegerschutz Sinn. Die Beschränkung auf Dachfonds für Privatanleger wird von der Partners Group ebenfalls begrüßt, da das Risiko für Investitionen in Single-Hedgefonds-Manager wesentlich höher ist.

Die von deutschen Gesellschaften geäußerte Kritik, dass die Dachfonds in höchstens zwei Single-Fonds eines Emittenten investieren können und jeder Einzelfonds maximal 20% des Dachfondsvolumens ausmachen darf, hält aus Sicht der Partners Group einer kritischen Betrachtung nicht Stand. Im Gegenteil: Die Diversifikation des managerspezifischen Risikos bedarf einer höheren Anzahl verschiedener Manager. Wichtig sind aber nicht nur verschiedene Manager, sondern auch die Streuung über mehrere Strategien, die im Gesetzesentwurf nicht angesprochen wird. Berechnungen haben ergeben, dass selbst hier eine optimale Diversifikation erst bei rund 15 Zielfonds eintritt. Hintergrund der Kritik ist daher wohl eher der Wunsch, die gesamte Wertschöpfungskette selbst abdecken zu können.

Trotz der positiv zu beurteilenden Liberalisierung von Hedgefonds in Deutschland müssen zwei Aspekte weiterhin kritisch betrachtet werden:

1. Ohne Transparenz ist kein unabhängiges Risikomanagement möglich

2. Viele Hedgefonds konnten ihr Renditeversprechen in den letzten Jahren nicht halten

Um eine breitere Anlegerschicht gewinnen zu können, muss die Hedgefonds-Industrie deren Ansprüche stärker berücksichtigen. Berechtigterweise kritisiert werden z. B. das Fehlen eines unabhängigen Risikomanagements, die geringe Transparenz von Hedgefonds und lange Rücknahmeperioden. Kundengerechte Lösungen zu finden, ist nach wie vor nicht einfach, da von vielen Dachfonds-Managern weiterhin eine Black-Box-Mentalität gepflegt wird. Dies ist um so erstaunlicher, da es bereits Ansätze, wie z. B. Managed Accounts, gibt, mit denen diese Probleme gelöst werden können. Mit der Forderung nach einer wöchentlichen Bewertung sowie Messung „allgemein anerkannter Risikokennzahlen“ hat der Gesetzgeber zwar wichtige Forderungen verankert, bleibt dabei allerdings hinter zum Teil bereits existierenden Möglichkeiten zurück. Sinnvoll ist hingegen die Unterscheidung von transparenten und nicht-transparenten Fonds, wodurch ein fiskalischer Anreiz geschaffen wurde, anlegerfreundliche Produkte zu lancieren.

Unabhängig von der Regulierung müssen Hedgefonds allerdings beweisen, dass sie in schwierigen Märkten ihr Versprechen von positiven Renditen einlösen können. Hier haben gerade in Deutschland viele Produkte die Erwartungen während der letzten drei Jahre nicht erfüllt. So führt der Renditerückgang seit dem Jahr 2000 dazu, dass Anleger vermehrt nach den Renditequellen dieser Anlageklasse fragen. Während der Mythos einer Geheimwissenschaft von einigen Managern weiterhin gepflegt wird, lassen sich nach den Berechnungen der Partners Group die Renditen von Hedgefonds zu rund 80% als Risikoprämien erklären. Nur die verbleibenden 20% sind überragenden Fähigkeiten der Manager zuzurechnen.

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