Politik der ruhigen Hand
Von Michael Lennert
Veröffentlicht am: 27. Juni 2008
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Dieter Lehmann, Leiter Vermögensanlagen, VolkswagenStiftung
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Für die VolkswagenStiftung mehren sich die Zeichen, dass sich die Subprime-Krise dem Ende nähert. „Ja, es stimmt, wir identifizieren immer stärker werdende Signale, die in diese Richtung deuten“, sagt Dieter Lehmann, Leiter Vermögensanlagen bei der VolkswagenStiftung, und verweist etwa auf sich beruhigende Volatilitäten, ein zurückkehrendes Vertrauen im Interbankenmarkt, auf seiner Ansicht nach erfolgreiche Interventionen der Notenbanken und darauf, dass Diskussionen wie, die Subprime-Krise könnte ein Kreditkartenrisiko bei den amerikanischen Konsumenten nach sich ziehen, für ihn „quasi vom Tisch“ sind.
Aktienquote wieder deutlich erhöht
„Mir scheint auch, dass der Aktienmarkt einen Boden gefunden hat, da er nicht mehr derart geschockt auf neue negative Nachrichten reagiert“, erläutert er weiter und verweist darauf, dass sich die 2,4 Milliarden schwere VolkswagenStiftung deswegen dazu entschlossen hat, ihren Aktienanteil wieder deutlich aufzustocken, und zwar auf rund 28 Prozent des Anlagevermögens. Der Stiftung ist es erlaubt, innerhalb einer taktischen Bandbreite von 20 bis 32 Prozent in Aktien zu investieren. Die Subprime-Krise hatte dazu geführt, von der ansonsten ausgegebenen „Politik der ruhigen Hand“ abzukommen und zwischenzeitlich den Aktienanteil auf knapp 24 Prozent runterzuschrauben, und zwar von über 30 Prozent. Allerdings: Die Obergrenze von 32 Prozent wolle man derzeit noch nicht wieder ausreizen, einfach deswegen, weil man immer noch eine gewisse Restunsicherheit verspüre. „Ansonsten verfolgen wir, wie schon angedeutet, eine Anlagepolitik der ruhigen Hand. Das heißt, es gibt in keiner Phase eine abrupte Änderung der Anlagepolitik“, sagt er. Die vier Säulen der Anlagephilosophie, also Aktien, Renten, Immobilien und alternative Anlagen, seien relativ fest.
Bemerkenswert ist, insbesondere im Vergleich zu anderen deutschen institutionellen Investoren, dass der Aktienanteil sowie der Anteil an alternativen Anlagen, in den die Stiftung investiert recht hoch ist.
Voll im Plan
Und das obwohl oder vielleicht gerade weil sich die VolkswagenStiftung eine Selbstverpflichtung auferlegt hat, jedes Jahr zwischen 90 und 100 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung zu stellen. Obendrein muss zudem noch der reale Kapitalerhalt gewährleistet werden. „Wir erzielten im vergangenen Jahr eine Performance von 3,73 Prozent. Das klingt im ersten Moment nach nicht viel“, sagt er hierzu, gleichwohl sei es gelungen, alle Ziele der Stiftung voll umfänglich zu erfüllen, und das sei zum einen eben das Kapital in vollem Umfang zu erhalten und zum anderen eine „sogar über den Erwartungen“ liegende Fördersumme zur Verfügung zu stellen. Und es kommt noch besser, denn: „Sicherlich ist es einer Stiftung erlaubt, ein Drittel der ordentlichen Erträge zuzuführen, also nicht der Förderung, sondern zum Zwecke des Kapitalerhalts“, erklärt er. Und in der Tat habe man diese Quote in der Vergangenheit auch immer ausgeschöpft. „Das müssen wir heute nicht mehr, eben weil wir andere Anlagen wie die alternativen Anlagen stärker gewichtet haben. Das hilft uns sehr“, sagt er. Aber vielleicht auch deshalb, weil es der Stiftung durch diese Portfolio-Konstruktion in der Vergangenheit gelang, insbesondere in den guten Aktienjahren systematisch stille Reserven zu bilden. Diese liegen laut Aussage von Lehmann derzeit bei rund 150 Millionen Euro und dienen als Risikopuffer.
Zehn Prozent Alternatives
Lehmann und sein sechsköpfiges Team dürfen seit knapp zwei Jahren rund zehn Prozent des Anlagevermögens in alternative Anlagen anlegen, davon rund zwei Drittel in Private Equity und ein Drittel in Hedgefonds. Bei Hedgefonds beispielsweise wurde ein externes Multi-Strategy-Mandat vergeben und ein Spezialfonds gegründet, der in Single-Hedgefonds unterschiedlicher Strategien investiert. Der einzige Wermutstropfen: „Die Ergebnisse des Hedgefonds-Mandates sind noch steigerungsfähig“, sagt er, bei Private Equity hingegen könnten noch keine validen Aussagen gemacht werden, die Zeit seit der Auflegung sei einfach noch zu kurz. Ebenfalls auf der Agenda stand die Überlegung in Mezzanine-Kapital zu investieren. Davon kam man letztendlich doch ab und zog es vor, rein in Private Equity anzulegen. Nicht investiert wird in Rohstoffe – auch vor dem Hintergrund, dass diese in der Regel keine ordentlichen Erträge abwerden –, ebenso wenig wie in Infrastruktur, auch weil dies für Lehmann ein noch zu junges Thema, quasi eine Modewelle ist, die es erst noch zu beobachten gelte.
Abbildung: Entwicklung des Stifungskapital-wertes von 1998–2007; Quelle: VolkswagenStiftung.

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