„Demografie ist unsere größte Herausforderung“
Veröffentlicht am: 10. März 2008
Gut gelaunt präsentierte man bei der Kölner DEVK jüngst eine Gesamtverzinsung in Höhe von 5,2 Prozent in der Lebensversicherung. Doch wie geht’s weiter? Sicher ist, dass die Aktienquote wieder gen 15 Prozent angehoben werden soll. Und Solvency II sieht Kapitalanlagevorstand Bernd Zens ziemlich gelassen auf sich zukommen.
Fragen: Maik Rodewald
Antworten: Bernd Zens, DEVK, Vorstand Bernhard Fünger, Monega, Geschäftsführer
dpn: Herr Zens, die DEVK wirbt gerade mit ihrem Kapitalanlageergebnis und einer Gesamtverzinsung von 5,2 Prozent in der Lebensversicherung. Haben Ihnen die ersten Wochen dieses Jahres die gute Laune wieder verdorben?
Zens: Unsere Aktienquote ist wertgesichert und beträgt seit Oktober 2007 nicht einmal vier Prozent. Originäre, verbriefte Subprime-Hypotheken hatten wir überhaupt nicht. Wir mussten 12 Millionen Euro abschreiben auf ein gehebeltes strukturiertes Investment von 20 Millionen, das war’s im Groben. Ich kann für die DEVK also Entwarnung geben – noch jedenfalls, Stand Mitte Februar.
dpn: Wo sehen Sie mögliches Ungemach für Ihr Portfolio?
Zens: Sollte eine Bank pleitegehen oder einen Kapitalschnitt machen, träfe uns das hart, denn wir halten einige nachrangige Anleihen und Genussscheine von verschiedenen Banken.
Das einzig Positive bei der derzeitigen Situation an den Kapitalmärkten ist, dass die Zeitungen gerade voller negativer Meldungen sind und dann oft das Schlimmste überstanden ist.
dpn: Sie beschäftigen immerhin über 40 Menschen, die sich um die 10,5 Milliarden Euro des DEVK-Konzerns kümmern. Sind Sie froh, dass Sie die Kapitalanlage nicht ausgelagert haben?
Zens: Das kommt gar nicht infrage. Letztlich müssen wir die Kapitalanlage so oder so verantworten, auch vor unserem Aufsichtsrat. Dann wollen wir wenigstens auch eigene Entscheidungen treffen. Und wenn ich bedenke, wie gut wir damit durch die großen Krisen gekommen sind, die jetzige und auch die große Aktien-Baisse Anfang des Jahrzehnts, dann stellt sich die Frage sowieso nicht. Außerdem verlieren Sie den Kontakt zum Marktgeschehen, wenn Sie nicht mehr ständig an dem Thema sind.
dpn: Sie haben die Kapitalanlagegesellschaft Monega aus der Taufe gehoben. Was macht die Monega für Sie?
Zens: Sie agiert für uns quasi als Master-KAG, obwohl wir das eigentlich nicht so nennen: Alles, was wir in Fonds halten, Aktien und Renten, liegt bei der Monega, insgesamt etwa 10 Prozent unserer Kapitalanlage, und etwa die Hälfte der 100 Millionen Euro, die in unserem DEVK-Pensionsfonds stecken.
Fünger: Wir liefern auch die Analysen zu Transaktionskosten und Performance-Attribution - wobei wir das wiederum von der DPG bekommen. Das ist der DEVK auch wichtig, dass sich nicht der Verwalter auch noch selbst kontrolliert.
dpn: Aber 10 Prozent der Kapitalanlage ist wenig, finden Sie nicht? Andere Versicherer lasten ihre KAG stärker aus. Macht es nicht mehr Sinn, die Monega personell zu stärken und Ihr Kapitalanlage-Team dafür einzudampfen?
Zens: 80 Prozent unserer Investments sind festverzinsliche Wertpapiere, das werden wir immer selbst verwalten. Für diesen Block auch noch einem Dritten Gebühren zu bezahlen, ist nicht ökonomisch, zumal wir es sowieso überwachen und – wie schon gesagt – auch verantworten müssen.
dpn: Neben Ihnen sind noch die Sparda-Banken und Oppenheim an der Monega beteiligt. Das ist eine eigenwillige Konstellation. Passt die Monega eigentlich noch in Ihr strategisches Konzept?
Zens: Ja. Die ursprüngliche Idee gilt immer noch: Uns von den Banken unabhängiger zu machen, und an bestimmten Stellen nicht zu viel Erträge herauszugeben. Außerdem brauchen wir die Monega-Fonds als Bausteine in unseren Altersvorsorge-Produkten und in unserem DEVK-Pensionsfonds. Der gedeiht sehr gut und war Ende 2006 auf Platz 8 der deutschen Pensionsfonds. Das Geschäft mit der Altersvorsorge soll bei uns noch stark wachsen.
Und was die Dreier-Konstellation betrifft: Die mag eigentümlich wirken, sie hat aber ganz feste Wurzeln und ist bewährt. Im Falle der Sparda-Banken hat es seinen Ursprung in der Vertriebspartnerschaft der beiden Unternehmensgruppen.
dpn: Aber die Monega verwaltet gerade einmal 4,7 Milliarden Euro. Fehlt da das letzte Commitment der Eigentümer?
Fünger: Einspruch, Euer Ehren! Immerhin verwalten wir alles, was die DEVK überhaupt nach außen gibt. Außerdem steht sie uns bei neuen Fondsideen zur Seite: Wir versuchen, unsere Fondspalette um Anlagestrategien anderer Asset Manager – in sogenannten Partnerfonds – zu erweitern. Die DEVK beteiligt sich dann zusammen mit anderen Investoren an einem solchen neuen Fonds. Derzeit haben wir vier Partner: Lupus alpha, Feri, GVI und die HSH Nordbank. Das bedeutet, dass wir uns künftig stärker um Volumen von institutionellen Adressen bemühen werden, die nichts mit unseren Eigentümern zu tun haben. Bei den Sparda-Banken sind wir bereits erfolgreich, acht der zwölf Sparda-Banken investieren schon bei uns. Ich denke vor allem an kleinere Pensionskassen und Vermögensverwalter, für die unser Angebot trotz des harten Wettbewerbs mit viel namhafteren Adressen konkurrenzfähig sein wird.
dpn: Aber können Sie mit einem Volumen von 4,7 Milliarden profitabel arbeiten?
Fünger: Ja, seit der Gründung 1999. Wir haben nur geringe Fixkosten, und die Administration ist von jeher ausgelagert an die Oppenheim KAG, insofern sind wir bereits ausgesprochen profitabel. Und wenn wir so schnell weiterwachsen wie bisher, also uns in den nächsten fünf Jahren nochmals verdoppeln, stellt sich die Frage nach der Profitabilität sowieso nicht mehr.
dpn: Was ist denn an neuem Geld von der DEVK zu erwarten?
Zens: Die Brutto-Neuanlagen betragen im Jahr etwa 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. Was daran zur Monega fließt, kann ich noch nicht sagen. Tendenziell wollen wir die Spezialfonds bei der Monega aber nicht weiter aufbauen, sondern zugunsten von Publikumsfonds umschichten, um das Durchschauprinzip zu umgehen. Das ist ein Trend für uns, das Haltbarkeitsdatum für Spezialfonds rückt näher.
Fünger: Da ein Teil der Umschichtungen sicherlich auch in die Partnerfonds gehen wird, verlieren wir Marge. Ein Grund mehr, die Kundenstruktur zu verbreitern.
dpn: Herr Zens, wer die Kapitalanlage besser bewirtschaften will, muss auch Dinge anders machen können als seine Mitbewerber. Wie gut können Sie das?
Zens: Es ist Fakt, dass sich die Portfolios der Versicherer nicht großartig unterscheiden. Das liegt vor allem an der Anlageverordnung der Bafin. Seit diesem Jahr kommt noch dazu, dass Sie Namenspapiere im Nachrangbereich wegen der fehlenden Liquidität nur noch zu zehn Prozent berücksichtigen dürfen, Inhaberpapiere dagegen unbegrenzt. Wir hatten traditionell viele Nachränge und Genussscheine, worin wir uns auch unterschieden haben; aber diese Möglichkeit ist damit eingeschränkt. Diese Unterteilung ist zumindest nicht unmittelbar plausibel. Außerdem haben wir mit etwa neun Jahren im Durchschnitt eine hohe Duration der Anlagen. Aber auch hier entwickeln sich die Wettbewerber in unsere Richtung.
Als differenzierendes Merkmal bleibt uns noch unsere strategische Aktienquote, die in den vergangenen Jahren mit 15 Prozent vergleichsweise hoch war. Der Marktschnitt soll ja bei etwa 9 Prozent liegen, aber das ist natürlich stark verzerrt durch die hohen Aktienquoten der Allianz und der R+V.
dpn: Also noch weniger Unterschiede – trotz immer neuer, innovativer Anlagen, die Banken und Vermögensverwalter aus der Taufe heben?
Zens: Zumindest glaube ich nicht, dass die Spanne der Gesamtverzinsungen auf Dauer mehr als zwei Prozentpunkte betragen wird.
dpn: Trotz Solvency II? Theoretisch müsste sich die Anlagepolitik dadurch stärker unterscheiden.
Zens: Ich glaube, dass Solvency II daran nicht so viel verändern wird. Natürlich ist es sinnvoll, die einzelnen Versicherungssparten bzw. die verschiedenen Risiken generell mit kalkulatorischem Eigenkapital zu hinterlegen und sich die Risikopotenziale vor Augen zu führen. Das ist aber nichts Neues. Und die QIS-Studien des GDV zeigen uns, dass sich die Eigenkapitalanforderungen unter Solvency II der Höhe nach nicht großartig ändern; sie werden methodisch eben anders ermittelt.
Im Übrigen verweise ich auf ein Interview, dass Sie in der jüngsten Ausgabe von dpn abgedruckt haben, mit dem Londoner Professor Persaud.
dpn: Der mit den schwarzen Liquiditätslöchern?
Zens: Genau. Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn es bestätigt meine Meinung, dass man im Kapitalanlagegeschäft eben nicht alles berechnen kann. Es ist sogar gefährlich, abends eine Risikokennziffer auszurechnen und sich dann beruhigt und scheinsicher ins Bett zu legen. Solche Berechnungen können nur immer einer von vielen Bausteinen sein. Und bei uns ist ganz klar, dass wir weder wegen der VAG-Novelle noch wegen Solvency II unsere Kapitalanlagepolitik ändern.
dpn: Sie rechnen wegen Solvency II auch nicht damit, dass einzelne Versicherungssparten für Sie zu teuer werden könnten?
Zens: Doch, das kann schon sein. Wenn zum Beispiel Wohngebäudeversicherungen wegen des Sturms Kyrill Anfang vergangenen Jahres teurer werden müssten, stellt sich allerdings immer noch die Frage, ob dies aus Wettbewerbsgründen auch tatsächlich durchgeführt werden kann. Trotzdem wird das Thema viel heißer gekocht, als wir es essen werden. Dass wir eine Sparte infolge Solvency II sogar aufgeben, diese Frage stellt sich für uns nicht. Solvency II passt zum Weg der vergangenen Jahre in der Finanzdienstleistungsindustrie, alles zu verkomplizieren. Wie wir an dem Subprime-Schlamassel gerade sehen, sind die Banken durch die Vorbereitung auf Basel II auch nicht schlauer geworden.
dpn: Sie haben Professor Persaud bereits ins Spiel gebracht. Er sagt unter anderem, dass gerade langfristige Investoren den Vorteil haben, Liquiditätsprämien einzufahren und auch antizyklisch zu investieren. Sind Sie ein langfristiger Investor?
Zens: Ja.
dpn: Und? Handeln Sie antizyklisch?
Zens: Wir versuchen, an der ein oder anderen Stelle als Contrarian Investor aufzutreten. Das ist aber nicht immer so einfach, was vor allem an den starren Stresstests der Bafin liegt. Deshalb muss die Stresstest-Methodik endlich um eine Marktkomponente erweitert werden. Wenn der Aktienmarkt stark gefallen ist, macht es einfach keinen Sinn, das Aktienportfolio immer noch mit 35 Prozent zu stressen. Im Gegenteil: Das führt dann zu gefährlichem Herdentrieb und eben nicht zum antizyklischen Investieren.
dpn: Persaud schlägt unter anderem vor, Anleger sollten für Modethemen in der Kapitalanlage auch entsprechend mehr Kapital hinterlegen, zum Beispiel bei der Aufsicht. So wird es teurer, mit dem Strom zu schwimmen.
Zens: So ganz wohl ist mir dabei nicht, wenn ausgerechnet die Aufsicht festlegen soll, was Mode ist und was nicht. Das ist der erste Schritt in Richtung Planwirtschaft der Kapitalanlage.
dpn: Jetzt überspitzen Sie. Es geht doch darum, wie man Anreize schafft, damit nicht immer alle in die gleiche Richtung laufen.
Zens: Klar, wir brauchen möglichst viele Meinungen am Kapitalmarkt. Aber neue Regularien drängen auch wieder viele kleine Teilnehmer aus dem Markt heraus, weil sie den ganzen Aufwand und die Logistik nicht mehr leisten können. Das führt zu Konzentration und zu weniger Vielfalt. Schauen Sie sich an, was mit den Hypothekenbanken passiert ist, früher gab es noch 20, heute gibt es keine Handvoll mehr. Oder nehmen Sie den Depotbankenmarkt. Da haben sich schon einige zurückgezogen, und ich befürchte, dass am Schluss nur wenige übrig bleiben. Dann wird das Geschrei groß, denn die Dienstleistungen werden spürbar teurer werden – irgendwann bezahlen Investoren mehr für ihre Depotbank als für Wertpapier-Transaktionen.
Deshalb frage ich mich, wieso wir gerade bei Finanzdienstleistungen Konzentration brauchen. Deutschland ist als Wirtschaftsstandort gerade deshalb viel effizienter, weil wir viele Marktteilnehmer haben. Deshalb ist eine funktionierende Kartellkontrolle so wichtig.
dpn: Persaud hält es auch für Nonsens, wenn langfristige Investoren nach Value-at-Risk-Zahlen entscheiden.
Zens: Die Ansicht teile ich, und die DEVK steuert in der Kapitalanlage auch nicht nach VaR. Die Zahlengläubigkeit der Menschen auch in unserem Geschäft ist schon bemerkenswert. Ich kenne aber auch Bankenvorstände, die solchen Berechnungen überhaupt nicht glauben. Ich kenne einen Fall, wo für ein Handelsbuch ein Übernacht-VaR von 7 Millionen Euro berechnet wurde – bei einem Volumen von 800 Millionen. Wer soll das glauben? Da ist selbst das Bauchgefühl noch ein besserer Indikator für das tatsächliche Risiko.
dpn: Was sagt Ihr Bauchgefühl denn zurzeit zu den Märkten?
Zens: Ich rechne damit, dass wir am Aktienmarkt noch einmal eine Welle nach unten erleben. Die wird kommen, sobald die Gewinnschätzungen der Unternehmen nach unten angepasst werden. Dann werden wir unsere Aktienquote erhöhen.
Am Rentenmarkt werden Spread-Produkte – High Yield und Asset Backed Securities - wieder attraktiv. Da haben wir uns drei Jahre lang stark zurückgehalten, seit einiger Zeit kaufen wir wieder.
Vor allem Unternehmensanleihen werden in diesem Jahr ein Thema werden. Da werden die Spreads noch ein bisschen weiter werden, weil wir glauben, dass die Banken ihre Kredite teurer machen werden. Der Anteil von Unternehmensanleihen wird aber auch strategisch steigen, und zwar bei vielen Versicherern. Dafür wird der Anteil von Bankschuldverschreibungen sinken.
dpn: Wie halten Sie es mit alternativen Anlagen?
Zens: Commodities sind für uns grundsätzlich zwar interessant, jedoch aktuell kein Thema. Das läuft mir derzeit ein bisschen heiß. In Commodities hätte man investieren müssen, als der Preis für ein Barrel Öl um die 20 Dollar lag. Dann gibt es ja noch Hedgefonds. Da haben wir immer die Finger von gelassen, das bleibt auch so. Dazu habe ich übrigens auch eine andere Meinung als Professor Persaud. Ich halte die Möglichkeit von unbegrenzten Leerverkäufen für eine große Gefahr für den Finanzmarkt.
dpn: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Private Equity?
Zens: Wir haben vor zehn Jahren angefangen, und bis wir unsere Zielquote von 1,5 Prozent erreichen, vergeht noch eine Weile. Ein Programm ist zurückbezahlt – die Rendite von 5 Prozent war für uns ernüchternd. Die laufenden Investments sind deutlich besser, da sehen wir teilweise zweistellige Renditen.
Ich erwarte aber, dass die fetten Private-Equity-Jahre erst einmal vorbei sind. Private Equity muss unter der aktuellen Situation leiden, das kann gar nicht anders sein. Da es aber nicht ständig bewertet wird, wird das erst im Laufe des Jahres augenscheinlich werden.
Wir bleiben auch künftig an Private Equity dran, aber Eile, unsere Quote jetzt aufzustocken, haben wir sicherlich nicht. Wir arbeiten derzeit mit zwei Partnern zusammen, mit Unigestion und mit Cologne Asset Management, kurz CAM.
dpn: Bei der DEVK kümmern sich immerhin zwei Mitarbeiter um Private Equity. Lohnt sich dieser Aufwand?
Zens: Ja.
dpn: Gibt es auch ganz neue Themen in Ihrer Kapitalanlage?
Zens: Wir werden uns an einem europäischen Agrarinvestment versuchen.
dpn: Der Versicherer mutiert zum Bauern – das zum Thema Mode …
Zens: Nein, keine Mode, sondern eine Idee, mit der wir bereits seit zwei Jahren schwanger gehen. Wir wollen ein Unternehmen gründen, das in Wald und Ackerflächen investiert. Das Konzept steht und wir haben den passenden Partner gefunden, der heißt Greenland Management. Wir wollen aber maximal zehn Prozent daran halten, damit wir unsere Streuungsvorschriften einhalten. Es gibt eine Reihe von Interessenten, aber noch keine festen Zusagen. Irgendwann soll das Unternehmen dann an die Börse gebracht werden.
dpn: Apropos an die Börse bringen: Investieren Sie in Reits?
Zens: Nein, das Thema ist für uns erst einmal erledigt. Wir hätten Reits gemacht, wenn sie Wohnimmobilien adäquat abdecken würden. Da hat Deutschland aber mal wieder die Chance verstreichen lassen, seinem Finanzplatz etwas Gutes zu tun. Wir bleiben also bei dem, was wir haben: 40 deutsche Immobilien im Direktbestand, von denen wir die Hälfte selbst nutzen, daneben Immobilien in Europa, die von externen Verwaltern – zum Beispiel Oppenheim, Invesco und Sireo – gemanagt werden In diesem Jahr planen wir, uns auch erstmals in der Türkei zu engagieren.
dpn: Werden Sie die eine oder andere dieser 40 Immobilien demnächst veräußern?
Zens: Die selbst genutzten verkaufen wir nicht, für die andere Hälfte haben wir keine konkreten Verkaufspläne. Wir erzielen mit unserem Immobilien-Portfolio jedes Jahr einen laufenden Ertrag von immerhin 7 bis 7,3 Prozent. Manche Objekte rentieren niedrig einstellig, manche gut zweistellig. Aber genau deshalb hat man ja auch ein Portfolio, das die Ausschläge ausgleicht.
dpn: Wir haben schon viele Herausforderungen für Sie als Versicherer diskutiert – welche ist Ihre größte?
Zens: Für die DEVK ist das sicherlich die demografische Entwicklung in Deutschland, weil wir ja - fast – ein rein inländischer Versicherer sind. Wenn Deutschland nicht mehr wächst, dann ist auch unser Wachstum begrenzt. Im Kfz-Geschäft sieht man ja, was durch Verdrängungswettbewerb und bei schrumpfendem Markt passiert. Das bedeutet, dass Sie jährliche Produktivitätssteigerungen schaffen müssen. Da bin ich noch unsicher, ob das immer gelingen wird. Wir haben eine sehr günstige Kostenstruktur, deshalb werden wir sehr lange durchhalten können. Aber es ist ohne Frage eine große Herausforderung.
dpn: Stellen Sie sich vor, Sie sind Redakteur und sollen über den Einfluss der steigenden Lebenserwartung auf die Assekuranz schreiben? Wie lauten Ihre Grundthesen und Ihre Überschrift?
Zens: Im Neugeschäft der Schadensversicherung werden die Versicherer viel mehr kämpfen müssen als bisher. Es wird intelligentere Produkte geben, zum Beispiel kombinierte, spartenübergreifende Versicherungen. Im Personenversicherungsgeschäft sehe ich mehr Chancen, weil die steigende Lebenserwartung zu mehr Altersvorsorge führen wird. Derzeit verhält es sich sowohl bei der privaten als auch bei der betrieblichen Vorsorge wie beim Testament: Jeder weiß, dass er’s machen muss, aber niemand will’s wirklich anpacken. Die Riester-Rente war ein richtiger Schritt, aber es reicht nicht. Die Menschen werden erst mehr machen, wenn das Thema massiv von mehreren Seiten in die Gesellschaft getragen wird.
 „Klaaaaaaaaa”, antwortet Bernd Zens auf die Frage, ob er dpn kenne. Selbst wenn das nichts stimmen sollte, könnte man es ihm nicht verübeln, denn er ist ein angenehmer Zeitgenosse, ein Kölner durch und durch, mit dem Hang, die Dinge nicht komplizierter zu machen als sie sind. Dennoch ist er kompliziert genug, „seiner” Monega, deren Aufsichtsrat er auch vorsitzt, nicht alles Geld anzuvertrauen, sondern den größten Batzen unter seinen Fittichen zu belassen. So zwingt er die Monega auch zum Wettbewerb – das nennt man wohl Rheinischen Kapitalismus. Den lernt man immer noch am besten in Köln, und das hat er ausgiebig: Zuerst bei Sal. Oppenheim, von 1991 bis Ende 1996 bei der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse und seit 1997 bei der DEVK. Dort wurde er 2002 Vorstand. MRO
 Man merkt Bernhard Fünger an, dass er gerne mehr Geld von den Anteilseignern der Monega verwalten würde, vor allem von der DEVK. Doch Fünger ist Allrounder genug, als dass er wirklich fürchten müsste, im echten Wettbewerb mit den richtig großen Vermögensverwaltern dieser Republik sang- und klanglos unterzugehen: Gelernt hat er bei den Genossen, betreute dann aber Sparkassen bei der WestLB, lernte im Investmentbanking Derivate kennen, strukturierte geschlossene Leasing-Fonds bei der East Merchant Bank (ein Joint Venture der WestLB mit Standard Chartered), bevor er bei der WestKA die operativen Abläufe verantwortete. 2001 wechselte er als Geschäftsführer zur 1999 gegründeten Monega. Dort erwartet man nun, dass er profitabel bleibt und noch mehr externe Assets holt. MRO
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