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Auch Heuschrecken sind nachhaltige Wesen

Veröffentlicht am:  27. Dezember 2007
— Peter Fanconi, Harcourt Investment Consulting, CEO

Na, so was! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Da denkt man ganz oberflächlich, dass alternative Anlagen wie Hedgefonds oder Private Equity nur der kurzfristigen nackten Rendite hinterherjagen. Und dann so etwas.

Im Grunde ihrer Seelen sollen Hedgefonds und Private Equity äußerst nachhaltige Produkte sein. Stimmt nicht? Stimmt wohl. Auf jeden Fall, wenn man neuesten Trends glaubt. „Uns ist es gelungen, Hedgefonds davon zu überzeugen, sich den Prinzipien führender Spezialisten für Sozialverantwortliche Anlagen anzuschließen, unter anderem auch den United Nations Principles for Responsible Investment, kurz UN-PRI“, sagt Peter Fanconi, CEO von Harcourt Investment Consulting in Zürich. In Zusammenarbeit mit dem schwedischen Versicherer Folksam und der norwegischen Storebrand wurde erstmals ein global anlegender Dach-Hedgefonds aufgelegt, der ausschließlich in nachhaltig anlegende Hedgefonds investiert. Das Anfangs-Investment beläuft sich auf 200 Millionen US-Dollar.


Haben Hedgefonds so etwas nötig?


Doch warum sollten Hedgefonds sich diesen Kriterien anschließen? Sind es nicht gerade ihre Pfründe, intransparent zu sein, um somit gezielt Informationsvorsprünge ausnutzen zu können? „Es gibt mehrere Gründe: Zum einen ist eine große Nachfrage auszumachen“, erklärt Fanconi und verweist hierbei etwa auf die enormen Wachstumsraten nachhaltiger Investments von etwa 40 Prozent per annum. Da stellt sich die Frage: Wie lassen sich diese Bedürfnisse auch mittels alternativer Investments abdecken? Ein Manko sei heute immer noch, dass Nachhaltigkeit fast ausschließlich über Long-Only-Investments angeboten wird. Zum anderen sieht Fanconi regulatorische Bemühungen, etwa der Europäischen Union (vergleiche dazu das Arbeitspapier: „Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility“), dass zum Beispiel staatliche Pensionsfonds, aber auch andere öffentliche Institutionen und Investoren einen bestimmten Prozentsatz ihres Vermögens in Socially Responsible Investments (SRI) zu investieren haben. „Wir verspüren insbesondere eine Nachfrage von institutionellen Investoren aus Mittel- und Nordeuropa“, sagt er weiter.


Anlageuniversum muss groß genug sein


Doch zurück zur Frage, warum Hedgefonds deswegen transparent werden sollten? „Hedgefonds benötigen ein entsprechendes Anlagevolumen, damit die rigiden SRI-Anlagerichtlinien erfüllt werden können. Das ist eine Grundvoraussetzung, um eine optimale Qualität der zu investierenden Hedgefonds zu garantieren. Denn es ist auch für sie ein großer Aufwand“, erklärt der Schweizer und verweist hierbei zum einen auf die intensive Due-Diligence-Prüfung und zum anderen auf den mit den Partnern Folksam und Storebrand entwickelten Investment-Prozess. Der sieht wie folgt aus: Zuerst wird ein Negativ-Screening durchgeführt. Dies reduziere das potenzielle MSCI-Anlageuniversum von rund 2.000 Unternehmen um circa 400 auf etwa 1.600 Unternehmen. Im zweiten Schritt werden die verbleibenden Unternehmen dann einem Positiv-Screening oder einem Best-in-Class-Ansatz unterzogen. Derzeit hätten sich rund 15 Hedgefonds dazu bereit erklärt, den Nachhaltigkeitskriterienkatalog zu erfüllen, mittelfristig sollen es 20 bis 25 werden.

Natürlich gibt es auch andere Stimmen: „Ich glaube, dass manche Hedgefonds, da sie häufig situationsgetrieben sind, nicht nachhaltig agieren. Sie nützen einfach Marktungleichgewichte aus und beheben diese“, sagt Harry Rosenbaum von Oppenheim Asset Management und nennt dabei eine andere Anlageform, die für ihn besonders nachhaltig ist: Mikrokredite.

Und auch Beat Zaugg, Leiter Investment Consulting bei Watson Wyatt Schweiz, unterscheidet zwei Arten von nachhaltigen Investments. „Zum einen eine Anlage, bei der ich Zusatzerträge erwirtschaften möchte, weil sich Unternehmen sozial, ökologisch und verantwortungsvoll verhalten, und zum anderen eine, die in erster Linie einen nachhaltigen Effekt hat“, sagt er und nennt hier ausdrücklich „Mikrokredite, aber auch Private Equity“.

Also sind jetzt auch noch Private-Equity-Investitionen besonders nachhaltig? „Private-Equity-Investitionen sind nachhaltige Investitionen. Dementsprechend ist es das Ziel eine Nachhaltigkeitsprämie zu erwirtschaften. Wir schätzen diese auf drei bis sechs Prozent per annum“, sagt Thomas Kubr, Managing Director von Capital Dynamics, und verweist auf folgende Gründe: Bei Private Equity herrschen ein Alignment of Interests, also eine Gleichgerichtetheit von Interessen, sowie Aktionsfreiheit und Transparenz, sprich zum einen wird aktiv Einfluss auf die Strategie, das Management oder die Produkte genommen, und zum anderen gibt es die Gefahr des Konfliktpotenzials von Insider-Wissen nicht.

Doch gesetzt den Fall, es wird eine Nachhaltigkeitsprämie erwirtschaftet, dann stellt sich die Frage, wo dieser Nachhaltigkeitseffekt denn am größten ist? „Wir haben das untersucht und kamen zum Ergebnis, dass langfristig kein Private-Equity-Segment signifikant besser ist als das andere. Es sind alle Segmente nachhaltig“, sagt Kubr.

ML

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