2008 kann kommen
Von Michael Lennert
Veröffentlicht am: 27. Dezember 2007
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Oliver Heck, Deutsche Rückversicherung AG/Verband öffentlicher Versicherer,
Bereichsleiter Kapitalanlagen
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Es gibt immer etwas zu tun. Nein, diese Aussage bezieht sich in diesem Fall nicht auf einen Werbespot, sondern auf den Terminkalender von Oliver Heck, dem Bereichsleiter Kapitalanlagen von gleich zwei Unternehmen: und zwar der Deutschen Rückversicherung AG sowie dem Verband öffentlicher Versicherer.
Obwohl, im Fall von Heck ist die Aussage „Es gibt immer was zu tun“ gelinde gesagt noch ziemlich untertrieben. Seine Agenda ist prall gefüllt, wie man an der Anzahl der derzeit zu realisierenden Projekte unschwer ablesen kann.
Volle Agenda
Denn diese lauten wie folgt: die Implementierung eines Masterfonds, in dem alle risikobehafteten Asset-Klassen zusammengefasst werden, die Neuausrichtung und -justierung der strategischen Asset Allocation, die Einführung von zusätzlichen Asset-Klassen und damit verbunden die Umstrukturierung von bestehenden und die Vergabe von neuen Mandaten sowie nicht zuletzt die Implementierung eines neuen Portfolio-Optimierungs-, Risikomanagement- und Controlling-Tools. Und wohlgemerkt: Da es sich bei der Deutschen Rückversicherung AG und dem Verband öffentlicher Versicherer um zwei getrennte Unternehmen mit unterschiedlichen Vermögensstrukturen und ungleichen Asset-Allocation-Schwerpunkten handelt – die Deutsche Rück weist rund eine Milliarden Euro an Vermögen aus, der Verband öffentlicher Versicherer an die 1,3 Milliarden Euro Assets –, bitte auch alles in doppelter Ausführung!
Verbreiterung macht einfach Sinn
Doch warum der ganze Aufwand? Waren die Düsseldorfer etwa mit den Renditen ihrer bisher eher traditionell ausgerichteten strategischen Asset Allocation nicht zufrieden? Zur Info: Man investierte sehr klassisch vornehmlich in Schuldscheine und Namenspapiere sowie liquide europäische Renten und Aktien. Daneben gab es kleine Beimischungen in Emerging-Markets- und High-Yield-Anlagen, aber auch Multi-Asset-Strategien waren vorhanden. „Nein, überhaupt nicht, wir waren durchaus zufrieden“, sagt Heck, es sei jedoch auch so: „Die Verbreiterung der Asset-Klassen macht einfach Sinn, auch um die Chancen der verschiedenen Märkte und die (schwankungs)ausgleichende Wirkung zu nutzen. Durch die richtige Mischung verschiedener Asset-Klassen lässt sich bei gleichem Risiko die Ertragschance erhöhen“, sagt er und verweist auch auf die Implementierung des neuen Masterfonds, der in Zusammenarbeit mit der Inka aufgesetzt wird.
Die beiden Unternehmen haben sich auch deswegen für die Inka entschieden, weil es Schnittstellenvorteile gab, mit dem Ergebnis, dass die benötigten Daten eins zu eins in das eigene Controlling-Tool übertragen werden können. „Ein Masterfonds birgt eine Stabilität und einen Risikoausgleich in sich. Das ist sehr zu begrüßen“, erklärt Heck und verweist auf die Vorteile einer Master-KAG-Konstruktion: Denn zum einen werden alle Asset-Klassen in einem Topf zusammengefasst und zum anderen sind jedoch gleichzeitig alle Subsegmente einzeln sauber messbar und damit auch steuerbar. Das sei ganz wichtig, ebenso wie die Tatsache, dass man einen Administrator hat, der eine neutrale Performance-Messung, ein Reporting aus einer Hand sowie beispielsweise notwendige Informationen für die Anlageausschusssitzung bereitstellt.
Risikokapital: gut gepolstert
„Langfristig wird der risikobehaftete Teil bei der Deutschen Rück sicher in Richtung 25 Prozent ansteigen, der Rest verteilt sich auf Namenspapiere, Immobilien, Beteiligungen, Depotforderungen und Cash“, erläutert Heck und betont, dass sich die endgültige Aufteilung aus der Risikotragfähigkeit und dem Risikoappetit der Unternehmen ergebe. „Beim Risikobudget verwenden wir die Reserven auf kurzfristig liquidierbare Anlagen. Diese stellen wir ins Feuer, genauso wie die Erträge, die wir bereits über den Mindestertrag erzielt haben. Dies ist zwar nur ein kleiner Teil des Risikokapitals des ganzen Unternehmens. Gleichwohl reicht er im Moment aus, um ein risikobehaftetes Portfolio von etwa bis zu 25 Prozent der gesamten Anlagen zu fahren“, erklärt Heck. Ziel sei es, daneben natürlich immer auch die Risikotragfähigkeit stetig zu verbessern. Dies stellte jedoch aufgrund der guten Aktienmärkte in den vergangenen Jahren kein Problem dar – auch dieses Jahr sei in der Summe noch ein positives Jahr. „Summa summarum fühlen wir uns mit unserem Risikobudget ganz wohl. Hierbei lasten wir unser Risikokapital noch nicht voll aus, eben weil wir, wenn die Volatilitäten ansteigen, nicht sofort gezwungen sein wollen, Risiko zu reduzieren. Darüber hinaus möchten wir in der Lage sein, Positionen auszubauen, wenn wir an Chancen glauben.”
Rund ein Dutzend Asset-Klassen
Deswegen gelte es die neuen Anlageklassen auch sukzessive auf- bzw. auszubauen. Und das sind Asset-Klassen wie beispielsweise Aktien USA und Japan, Emerging-Markets-Aktien und Bonds, Corporate und High Yield Bonds, aber auch alternative Anlageformen wie Hedgefonds und Private Equity, möglicherweise auch Rohstoffe. Insgesamt werden sich rund ein Dutzend Asset-Klassen im Fonds befinden. „Alle Anlagen im risikobehafteten Teil werden selbstverständlich mit Risikokapital unterlegt. Zukünftig wollen wir auch die Immobilien unterlegen, wobei wir hier bilanziell praktisch kein Abschreibungsrisiko haben“, erläutert Heck und weist parallel darauf hin, dass die Mandate im Masterfonds extern vergeben werden. Diesen Prozess durchlaufe man gerade, deswegen könne er auch noch keine Namen nennen. Selber wiederum kümmert man sich um die strategische Ausrichtung, die Portfolio-Strukturierung und die Risikostreuung.
Was er verrät, ist, dass in der Master-KAG auch ein taktisches Risiko-Overlay installiert sein wird, bei dem das Gesamtrisiko über Futures gesteuert wird, ohne bei den einzelnen Managern eingreifen zu müssen. Die Manager wiederum bekommen klar einen Markt sowie einen bestimmten Tracking Error vorgegeben, um eine Outperformance zu erwirtschaften.
Consultant nicht zwingend vonnöten
Bei der Portfolio-Konstruktion und der Mandatsvergabe kann auf das Know-how von Verbundpartnern zurückgegriffen werden. „Wir tauschen uns intensiv mit unseren Partnern aus. Diese besitzen Know-how beispielsweise auch bei alternativen Anlagen und haben eine ausgeprägte Meinung zu den unterschiedlichen Asset-Klassen. Genauso wie wir. Deswegen ist ein Consultant nicht zwingend vonnöten“, sagt Heck.
Gleichwohl, bevor es zur Mandatsvergabe kommt, sind noch einige Details festzulegen, beispielsweise muss zunächst das Anlageuniversum definiert werden, um danach die geeigneten Indizes auszuwählen. Diese müssen natürlich die einzelnen Asset-Klassen exakt repräsentieren, möglichst breit, transparent und investierbar sein. Gleichzeitig sollen lange Zeitreihen zur Verfügung stehen. Doch die zu erfüllende Agenda ist damit noch nicht abgearbeitet, denn es müssen dann noch konsistente Renditeprognosen erstellt und das Portfolio konstruiert sowie entschieden werden, ob aktive oder passive Mandate vergeben werden. Eine Entscheidung, die natürlich abhängig ist vom zur Verfügung stehenden Volumen und der Effizienz der Märkte, das heißt der Möglichkeit, Outperformance zu erzielen. Last, but not least: die Auswahl der Manager nach einem standardisierten Prozess.
Alternative Anlagen werden geprüft
So weit, so gut. Doch in welche Asset-Klassen soll mit welcher Begründung investiert werden? Bei Hedgefonds beispielsweise kommt für Heck ein Engagement über Fund-of-Fund-Konstruktionen in Betracht. Denn Hedgefonds hätten für ihn einfach gute Kennzahlen, vor allem das Verhältnis von Rendite zu Volatilität, das natürlich auch durch die monatliche Bewertung zustande kommt. Dies stelle gleichzeitig ein Manko dar, denn man könne sich von einem Engagement nicht immer rasch verabschieden. „Bei Private Equity werden unterschiedliche Strategien und damit verbundene Risiken geprüft”, sagt der Kapitalmarkt-Experte, der im gleichen Atemzug Mezzanine-Kapital nennt. Hierin könnte er sich vorstellen, da dieses ja etwas risikoreduziert sei, schon Anfang 2008 zu investieren. Bei Rohstoffen andererseits stellt sich intern derzeit die Frage, wie man hierin investieren soll. Einfach einen etablierten Index nachzubilden, ist für Heck nicht das Richtige. Auch weil die Indizes teilweise sehr einseitig sind. Man wolle lieber breit aufgestellt sein und die Chancen eines aktiven Managers nutzen, der beispielsweise auf Besonderheiten in den Terminkurven reagieren kann. Währungen hingegen werden als einzelne Asset-Klasse zunächst nicht dabei sein, genauso wenig wie Infrastruktur; Volatilität als Asset-Klasse indes wird gerade geprüft. Nicht zu vergessen Immobilien. Bei denen dominiert derzeit der Direktbestand. Dieser wird jedoch zugunsten von indirekten Anlagen abgebaut. Ein wichtiges Ziel dabei: eine breitere Streuung sowie die Einholung von zusätzlichem Know-how. In den USA wird gerade ein Nachfolgeprodukt zu einem Fonds geprüft, der trotz Subprime-Krise bis jetzt sehr gut gelaufen sei. „Natürlich verändern sich die Immobilienmärkte. Auch in den USA. Dies muss man berücksichtigen. Gleichwohl, Projektentwicklung könnte interessant sein“, sagt Heck.
Von Subprime-Krise nicht betroffen
Und wie sieht es mit einem Engagement in Asset Backed Securities (ABS) und/oder artverwandten Produkten aus? „Obwohl wir als Rückversicherer eigentlich viele Freiheiten haben, sind wir in der Vergangenheit wenig oder gar keine Experimente eingegangen und haben auch wenige Risiken in der Bilanz“, erklärt Heck. Deswegen sei man von der aktuellen Subprime-Krise nicht betroffen, aber plane derzeit auch nicht, in derartige Produkte zu investieren. Und das, obwohl es in diesem Bereich auch sinnvolle Engagements gebe. Man dürfe nur nicht den Fehler machen, in diese Produkte auch noch undurchsichtige Assets wie Subprime Loans zu stecken, solche Anlageprodukte „mehrfach“ zu verpacken und diese dann noch „20-mal“ zu hebeln. „Sicher kommen Sie dann in Teufels Küche“, erläutert Heck.
Abbildung: Kapitalanlagenstruktur; Quelle: Deutsche Rückversicherung AG/Verband öffentlicher Versicherer.
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