Kein Platz mehr für Long Only Bonds
Von Michael Lennert
Veröffentlicht am: 07. November 2007
„Deutsche institutionelle Investoren investieren immer noch einen zu großen Anteil ihrer Portfolios in Long Only Bonds. Dadurch sind sie zu abhängig von der Zinsentwicklung“, sagt Professor Dr. Dirk Lepelmeier.
Deshalb geht der Geschäftsführer Vermögensanlagen bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NAEV) seinen eigenen Weg. Er hat im Sommer 2006 alle kursreagiblen Renteninvestments verkauft, wie etwa Staatsanleihen, Corporate oder High Yield Bonds, die zusammen immerhin einen Anteil von 15 Prozent des Gesamtvermögens ausmachten. Aufgrund von Timing-Aspekten, vor allem aber aus strukturellen Gründen. „Wir waren Mitte 2006 der Auffassung, dass die Zinsen im Vergleich zu dem von uns erwarteten langfristigen Durchschnittszins zu niedrig sind. Und auch die Spreads waren so niedrig, dass wir auch hier davon ausgingen, dass diese längerfristig eher steigen als sinken werden“, erklärt er.
Long-Short-Strategien verleihen Flügel
Zudem wollten die Düsseldorfer symmetrisch von allen Zins- respektive Marktphasen profitieren. Die Lösung: ein mehrstufiges Modell, welches sogenannte Alpha-Generatoren zunächst für die Marktsegmente Duration, Credit Default Swaps und Währungen einsetzt. So werden zum Beispiel je nach Zinserwartung Long-Short-Zinsfutures gekauft oder verkauft, je nach Erwartung der Unternehmensrisiken Credit Default Swaps, das Gleiche gilt für Währungen. „Am Ende des Tages werden dann die einzelnen Segment-Ergebnisse addiert“, erklärt Lepelmeier sein Modell weiter. Und dies sieht im Detail wie folgt aus: Die Basisrendite bildet die Rendite, die am Geldmarkt erwirtschaftet wurde, beispielsweise 3,5 Prozent. Hierzu wird der Mehrertrag addiert, der über Zinsfutures verdient wurde, im Fall der NAEV beträgt dieser aktuell gut 2 Prozent. „Bei den Credit Default Swaps liegen wir derzeit leider nur knapp auf der Nulllinie. Mit Währungen haben wir bei starker Volatilität einen zusätzlichen Prozentpunkt erwirtschaftet. Zusammen waren das schon mal 3 Prozent – und die vergangenen Monate sind bekanntlich sehr schwierig gewesen“, sagt Lepelmeier. Summa summarum liege er mit einem Gesamtertrag von 6,5 Prozent im Vergleich zu Long-Only-Bond-Investoren deutlich vorne, „denn diese Anleger hätten dieses Jahr bis jetzt eher nur eine schwarze Null eingefahren“.
Hedgefonds-Plattform mit HSBC
Doch nicht nur hier geht Lepelmeier seinen eigenen Weg, sondern auch bei alternativen Anlagen und insbesondere bei Hedgefonds. Zusammen mit HSBC Trinkaus & Burk-hardt wurde eine Plattform via Spezialfonds konzipiert, die einerseits der deutschen Regulierung entspricht, die es jedoch andererseits erlaubt, in ausländische Hedgefonds zu investieren, ohne die strikten aufsichtsrechtlichen Vorgaben einhalten zu müssen.
In diesem Vehikel sind derzeit rund 250 Millionen Euro investiert – noch, muss man sagen, denn dieser Betrag wird im kommenden Jahr wahrscheinlich verdoppelt, insbesondere weil „unsere Hedgefonds gut über den schwierigen Sommer gekommen sind“, sagt Lepelmeier.
Nicht investiert ist die Ärzteversorgung hingegen in der Asset-Klasse Private Equity. Die Begründung: Zum einen seien die Düsseldorfer mit ihren eigenen Analyse-Instrumenten nicht in der Lage, Private-Equity-Investitionen, vor allem außerhalb Deutschlands, fundiert und umfänglich zu untersuchen. Die Abhängigkeit von Dritten wäre in diesem Marktsegment somit besonders hoch. Zum anderen passe die Auszahlungsstruktur, Stichwort J-Kurven-Effekt, einfach nicht in die strategische Ausrichtung der NAEV.
Auch nicht investiert wird in Mezzanine-Kapital und zumindest bisher auch nicht in Infrastruktur. Rohstoffe hingegen sind ein Thema, ebenso wie bei der Bayerischen Versorgungskammer (siehe Seite 61). „Wenn wir in Mezzanine investiert hätten, befänden wir uns jetzt gerade in einem Prozess der Neubewertung dieser Risiken. Bei den uns angebotenen Produkten war oft nicht klar, wie der Risikoanteil angemessen zu bewerten ist. Für uns waren diese Produkte nicht ausreichend transparent und wir haben deswegen die Finger davon gelassen.“
Abbildung: Asset-Klassen 2007, Buchwerte in Millionen Euro; Quelle: Nordrheinische Ärzteversorgung.
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