Solvency II: hartes Brot oder Säuglingskost?
Veröffentlicht am: 04. September 2007
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Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Linowski, Steinbeis-Hochschule Berlin
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Solvency II ist schon ein hartes Brot, an dem die Assekuranz aber auch nicht zu stark zu knabbern haben, geschweige denn sich die Zähne ausbeißen soll. Das gilt gerade für die Kleinen der mächtigen Branche. Für sie soll die Kost weich sein, so wie beim Säugling zu Hause.
Darum macht der GDV, die Branchenvertretung, auch kräftig Lobbyarbeit, immerhin hat Deutschland relativ viele Kleine, die alle irgendwie Schutz brauchen. So macht der Verband auch nach dem offensichtlich sehr befriedigenden Ergebnis des dritten QIS-Testes (QIS = Quantitative Auswirkungsstudie zu Solvency II) logischerweise auch immer noch viele Schwächen der sogenannten Standardformel aus, die künftig darüber entscheidet, wie hoch Risiken mit Kapital gedeckt werden müssen.
Treiber für mehr als nur Hoffnung?
Währenddessen machen sich vor allem große Asset Manager ebenso große Hoffnungen, dass Solvency II einer der Treiber für mehr Geschäft mit der Assekuranz sein wird. Beispiel: die genossenschaftliche Union Investment. Sie sponsort den Lehrstuhl von Professor Dr. Dr. h.c. Dirk Linowski an der Berliner Steinbeis-Hochschule, und eben jener hat gerade den Aufsatz „Asset Liability Management im Kontext von Solvency II“ veröffentlicht. Darin argumentiert er, dass besonders kleinere und mittlere Versicherer, die nicht die Möglichkeit haben, günstige Korrelationen zwischen Ertragsverteilungen unterschiedlicher Produktklassen oder Sparten zur Senkung der Kapitalanforderungen geltend zu machen, mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten müssten, wenn sie nicht teilweise in existenzielle Probleme geraten wollten. Er rechnet deshalb mit engeren Kooperationen der Assekuranz mit Externen, wie zum Beispiel Kapitalanlagegesellschaften (KAGen).
Da die Ergebnisse der Kapitalanlage für die Rentabilität und die Flexibilität in der Tarifierung weiterhin eine große Rolle spielen würden, lohne es sich angesichts der vielen Restriktionen selbst für „Versicherer mit beträchtlicher Anlagekompetenz, einen Teil ihres Asset Managements auszulagern”.
Linowski prognostiziert, dass Cash als risikofreie Anlageform an Bedeutung verlieren wird und bei den meisten Lebensversicherern sukzessive durch im Schnitt mit „AAA” oder „AA” eingestufte Anleihen mindestens zehnjähriger Duration ersetzt werden dürfte.
Um außerdem dringend benötigte Zusatzerträge über einträgliche Bid-Ask-Spreads zu erzielen, sei die Zusammenarbeit solcher Versicherer mit Spezialisten nötig. Linowski erläutert auch an einem Beispiel, wie eine KAG als Asset Manager das Rating von Anleihen erhöhen und damit die Eigenkapitalforderung an einen Versicherer senken kann.
Bleibt die Frage, ob gerade die Kleinen und der ebenfalls in Berlin ansässige GDV Linowskis Argumente auch verstehen?
MRO
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