Infrastruktur: Mehrere Wege führen nach Rom
Veröffentlicht am: 04. September 2007
|
|
Georg Vietor, Macquarie, Repräsentant der Deutschland-Niederlassung
|
In Deutschland sind die öffentlichen Mittel knapp und der Investitionsbedarf in Infrastruktur-Projekte hoch. Das auf jeden Fall schreiben die Strategen von JPMorgan Asset Management in ihrem jüngst veröffentlichten Analysepapier „Institutional Insight – Exploiting Infrastructure Opportunities“.
So gibt es laut Studie beispielsweise im Straßenbau enorme Defizite, weshalb jährlich in über 200.000 Staus mehr als 14 Milliarden Liter Kraftstoff verpuffen und Kosten von 100 Milliarden Euro entstehen würden.
Noch keine eigene Asset-Klasse?
Doch spielen Infrastruktur-Investments in den Portfolios von deutschen Institutionellen überhaupt eine Rolle, und wenn ja, welche Vehikel sind für Institutionelle geeignet, um hierin zu investieren? „In Deutschland sind Infrastruktur-Investments sicherlich noch nicht so verbreitet wie in Australien, Kanada oder auch den Niederlanden, wo Infrastruktur als eigene Asset-Klasse angesehen wird. Deswegen werden Infrastruktur-Investments hierzulande auch meistens unter Private Equity verbucht. Die Investoren sind noch sehr vorsichtig und zurückhaltend und müssen sich zuerst mit den Eigenheiten von Infrastruktur-Investments auseinandersetzen“, sagt etwa Georg Vietor, Repräsentant für die Deutschland-Niederlassung der australischen Investmentbank Macquarie.
„Leider war es aufsichtsrechtlich nicht erlaubt, Infrastruktur-Investments über Spezialfonds abzubilden. Mittlerweile wurde diese Möglichkeit zwar durch die Novellierung des Investmentgesetzes eingeräumt. Trotzdem wird es einige Zeit dauern, bis wir hier erste Produkte sehen“, sagt wiederum Dr. Thomas Beyerle, Head of Research & Strategy bei der Degi. Denn perspektivisch würden diese Infrastrukturfonds beziehungsweise PPP-Maßnahmen ihren Markt in Deutschland zwar finden – aber es fehlt einfach noch das geeignete Vehikel, welches ausreichend Investitionsmöglichkeiten und -spielräume zulässt.
Gesetzgeber schafft neue Möglichkeit
Und in der Tat, es bewegt sich etwas. Die derzeit diskutierte Novelle des Investment-gesetzes sieht neue Anlageformen zur Finanzierung öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP) nun vor. Die große Frage dabei: Können deutsche Institutionelle hierin praxisnah investieren und wie attraktiv sind die Vehikel? „Das Ziel des Vehikels ist es, auch größere Infrastruktur-Projekte umsetzbar zu machen, denn daran krankte es bis jetzt. Dafür birgt es sicher seine Chancen. Ob es in der Praxis letztlich rasch umsetzbar ist, muss sich jedoch erst noch zeigen“, sagt Markus Hammer, Steuerberater bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt und verweist auf mehrere Punkte: Beispielsweise müssen die Vertragsbedingungen von Infrastruktur-Sondervermögen vorsehen, dass die Rücknahme von Anteilen nur zu bestimmten Rücknahmeterminen, jedoch höchstens einmal halbjährlich und mindestens einmal jährlich zu erfolgen hat, wobei die Kündigungsfrist zwischen einem und 24 Monaten liegen kann. Ein weiterer Punkt sind die Rücknahme-Modalitäten. Denn ein einzelner Anleger kann die Auszahlung an einem Rücknahmetermin nur verlangen, wenn der Wert der zurückgegebenen Anteile eine Million Euro nicht übersteigt. „Dies sind alles sehr starre Lösungen, die zu einer Überregulierung führen“, erklärt Hammer weiter und verweist auf das sogenannte Swing Pricing. Beim Swing Pricing wird der Rücknahmepreis automatisch mit einem Abschlag belastet, wenn an bestimmten Tagen zu viele Anteilsumsätze getätigt werden. Damit ist es kein fester Rückgabeabschlag, sondern wird individuell berechnet. Zudem tadelt er einen weiteren Punkt: die seiner Ansicht nach intransparente Bewertung der Anteile, auch nicht zuletzt wegen der möglichen doch recht langen Kündigungsfristen von bis zu zwei Jahren. Denn in diesen Zeiträumen ist es den Kapitalanlagegesellschaften quasi erlaubt, die Preise nach eigenem Gutdünken zu bewerten, übereilte Rücknahmen seien ja nicht abzusehen. Deswegen stelle sich die Frage: „Will man so viel Intransparenz zulassen. Ich denke nicht und halte deswegen etliche Punkte für kritisch“, resümiert Hammer und fordert ein einheitliches Bewertungsmodell, aber auch keine Einschränkung beim Zeitpunkt der Rückgabe der Anteile.
Es geht auch anders
Doch zurück zu Macquarie. Bei Macquarie werden die großen institutionellen Investoren von London aus und die kleineren – bis zu einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro – von Frankfurt aus betreut. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass somit individuellere Lösungen angeboten werden können. „Für die kleineren deutschen Institutionellen haben wir eine GmbH & Co. KG aufgesetzt, die in unsere Projekte investiert und es erlaubt, auch kleinere Tranchen zu zeichnen. Dieses Vehikel ist den deutschen Investoren vertraut, es wird deswegen gut angenommen. Die Großen wiederum investieren häufig über eine Limited Partnership“, erklärt Vietor und verweist darauf, dass der Weg, über eine Limited Partnership zu investieren, dem Weg ähnelt, über einen Spezialfonds zu investieren. „Eine rein deutsche Lösung wäre für uns somit gar nicht nötig.“
ML
Druckerfreundliche Version
Als E-Mail verschicken
weitere Artikel
|