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24. - 25. September 2008
aba-Seminar: Kapitalanlageprozess in betrieblichen Versorgungseinrichtungen



 
 
Viel von der Stange, wenig Selbstgeschneidertes
Von Klaus Morgenstern

Veröffentlicht am:  04. September 2007
— Tobias Pross, Allianz Pension Partners, CEO

Asset Manager bewegen sich durch ihr ureigenes Geschäft regelmäßig auch auf dem Terrain der betrieblichen Altersversorgung, seien es Spezialfonds für Pensionskassen oder Lifecycle-Modelle für Lebensarbeitszeitkonten in Unternehmen. Doch wie schlägt sich diese Erfahrung zum Wohle der eigenen Mitarbeiter nieder? dpn fragte nach.

Glaubt man dem Volksmund, dann hat der Schuster selbst den schlechtesten Leisten. Doch trifft das auch auf die Asset Manager in puncto betrieblicher Altersversorgung (bAV) zu, die sie den eigenen Mitarbeitern andienen?

Die bAV hat sich gerade in den zurückliegenden Jahren zu einer beliebten Spielwiese vieler Asset-Management-Gesellschaften entwickelt. Sie holen sich dafür eigens Spezialisten an Bord, wie zum Beispiel unlängst JPMorgan Asset Management, dessen deutsches institutionelles Vertriebsteam Anfang Juli mit Bettina Nürk verstärkt wurde, einer ausgewiesenen Expertin für bAV-Fragen. Bei Fidelity fiel die Forcierung des bis noch vor einigen Jahren stark unterbelichteten bAV-Geschäfts mit der Verpflichtung von Klaus Mössle zusammen; später holte sich die Investmentgesellschaft dann noch Christof Quiring als Head of Pension Solutions von Invesco. Wie spiegeln sich dieses geballte Know-how und die Erfahrungen aus dem Kundengeschäft in der hauseigenen bAV wider? Das Bild fällt ziemlich ernüchternd aus, wie eine Umfrage von dpn bei mehr als 40 Asset Managern, sowohl hiesigen als auch auswärtigen mit Vertriebsmannschaft in Deutschland, ergeben hat (vergleiche dazu auch die Tabelle auf Seite 31). Gesamtfazit: Viel solider Standard von der Stange, aber noch wenig exklusiv Selbstgeschneidertes. Für die Beschäftigten muss das nicht von Nachteil sein, greifen doch viele Asset Manager zum Beispiel auf die Angebote des BVV zurück, der die größte deutsche Pensionskasse betreibt. Aber es fehlt ein zusätzliches Argument für die eigene Expertise auf dem Terrain der bAV.


Konzerntöchter bieten größte Vielfalt an


Die größte Vielfalt an eigenen Lösungen halten erwartungsgemäß die Fondstöchter der großen Bankkonzerne parat. Die Angebote des BVV, die von diesen Gesellschaften in der Regel ebenfalls genutzt werden, sind dann eine Variante von mehreren. Aber auch Investment-Häuser, die in der bAV ausdrücklich ein Geschäftsfeld sehen und das auch durch entsprechende personelle und strategische Entscheidungen untermauert haben, greifen nicht ausschließlich auf Pensionskasse oder U-Kasse made by BVV zurück, sondern präsentieren alternative oder ergänzende Vorsorgemodelle. Zu dieser Gruppe zählt zum Beispiel Fidelity Investment oder Metzler Asset Management. Das Gros der Investmentgesellschaften, vor allem der kleineren, beschränkt sich allerdings weitgehend auf die Lösungen des BVV.

Die Marktführerin bei Publikumsfonds, die DWS, spielt nahezu die gesamte Klaviatur der bAV. In der Entgeltumwandlung wird eine fondsbasierte Direktversicherung, mit der auch die vermögenswirksamen Leistungen in bAV umgewandelt werden können, eingesetzt. Für die Führungskräfte gibt es Deferred Compensation zugunsten einer Direktzusage. In der arbeitgeberfinanzierten bAV nutzt die DWS die Unterstützungskasse des BVV, hat aber auch eine Direktzusage.

Letztere ist als fondsakzessorischer Beitragsplan gestaltet. Für jeden Mitarbeiter wird ein persönliches Vorsorgekonto eingerichtet, für das jährlich Spar- und Risikobeiträge bereitgestellt werden. Die Sparbeiträge werden in Fondsanteile umgerechnet und anschließend dem Konto gutgeschrieben. Jährlich gibt es eine Mitteilung über den aktuellen Stand des Versorgungskapitals. Die spätere Auszahlung erfolgt entweder in Tranchen oder als Rentenleistung. Für die Einzahlungen wird eine Beitragsgarantie gewährt. „Eine Investmentgesellschaft, die sich stark macht für die fondsbasierte bAV, muss diese auch intern leben. Wenn die eigenen Mitarbeiter die gleichen Lösungen nutzen, überzeugt das auch Kunden“, begründet Nikolaus Schmidt-Narischkin, der bei der Deutschen Asset Management den Bereich Betriebliche Altersversorgung verantwortet.


Keine Auskunft ist zuweilen Auskunft genug


Eine solche Denke herrscht aber nicht in allen Investment-Häusern vor. Viele beschränken sich sowohl in der Entgeltumwandlung als auch in der arbeitgeberfinanzierten bAV auf die Durchführungswege, die der BVV bereithält. Eine erhebliche Zahl von Gesellschaften verweigerte zudem in der dpn-Umfrage die Auskunft über die hauseigene bAV, meist mit der Begründung, dass über solche internen Angelegenheiten generell keine Auskunft erfolge. Man darf davon ausgehen, dass sie sich bei den bAV-Lösungen für ihre Mitarbeiter nicht durch ein Übermaß an Innovationen auszeichnen.

Einen eigenwilligen, aber Investment-typischen Weg geht Baring Asset Management. So ist eine Versorgung außerhalb der bAV-Durchführungswege angesiedelt. Der Arbeitgeber schlägt 15 Prozent des jährlichen Bruttogehalts auf das Gehalt auf, die dadurch vom Mitarbeiter versteuert und anschließend in Baring-Fonds auf einem Verpfändungskonto monatlich per Sparplan eingezahlt werden. Der auf diesem Fondskonto angesammelte Betrag steht dem Mitarbeiter mit Erreichen des 65. Lebensjahres zur Verfügung. Eine Auszahlung erfolgt auch, wenn das Arbeitsverhältnis mit Barings beendet wird.


Barings bietet Mitarbeitern Ungewöhnliches


Diese ungewöhnliche Lösung wurde bei der Einrichtung des deutschen Ablegers von Barings Anfang der 90er Jahre gewählt, um den deutschen Beschäftigten eine vergleichbare Altersversorgung wie bei der Mutter in Großbritannien zu bieten. Da es im deutschen Betriebsrentenrecht aber keine ebenbürtige Regelung gab, entschied sich Barings damals für eine Lösung außerhalb des Systems der bAV, die in den Folgejahren dann auch nicht mehr angetastet wurde. Zwar muss das Geld für die Vorsorge versteuert werden und ist gegebenenfalls auch mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet, so dass netto weniger für die Fondsanlage übrig bleibt, dafür kann der Arbeitnehmer aber mit Rentenbeginn frei darüber disponieren und die nachgelagerte Besteuerung entfällt. Für den Arbeitgeber Barings wiederum ergeben sich zwei wesentliche Vorteile: Diese Vorsorge unterliegt nicht dem Betriebsrentenrecht, wodurch zum Beispiel de facto eine reine Beitragszusage möglich wird. Außerdem bleibt das Geld in den eigenen Fonds. Zusätzlich zu diesem Vorsorgezuschlag zum Gehalt gehört Baring Asset Management dem BVV an und nutzt die BVV-Pensionskasse für die arbeitgeberfinanzierte bAV mit dem im Bankensektor verbreiteten Matching-Verfahren (zwei Drittel Arbeitgeber, ein Drittel Arbeitnehmer).


Mit Lebensarbeitszeitkonten …


Auch bei den Lebensarbeitszeitkonten, die zwar nicht unmittelbar zur bAV gehören, aber allein schon durch die Möglichkeit, unverbrauchte Kontenguthaben in einen bAV-Durchführungsweg einzubringen, eine sehr große Nähe zur ihr aufweisen, fällt die Bilanz sehr unterschiedlich aus. Diese Lebensarbeitszeitkonten wurden vor einigen Jahren von der Investment-Branche als neues Geschäftsfeld entdeckt. Eingeführte Modelle für die eigenen Mitarbeiter haben aber vor allem jene Gesellschaften, die intensiv Kunden für Zeitkonten akquirieren. Beispiel Metzler Asset Management: Die Investmentgesellschaft war einer der Vorreiter beim Verkauf von Zeitkontenmodellen und hat etwa zeitgleich im März 2004 für ihre Mitarbeiter Zeitkonten eingerichtet. Mittlerweile nimmt rund ein Drittel daran teil. Im Durchschnitt werden pro Jahr und Mitarbeiter 12.000 Euro eingezahlt. Metzler geht bei seinem Zeitkonto sogar einen Schritt weiter und macht ein Matching mit einer Arbeitgeberleistung. Auf jede Einzahlung werden noch einmal acht Prozent Zuschuss vom Unternehmen gewährt, um die Dotierung der Konten zu unterstützen.


… haben DWS-Beschäftigte die längste Erfahrung


Noch mehr Erfahrung mit Zeitkonten hat die DWS, deren Modell bereits seit 2001 existiert. „Rund 15 Prozent der Beschäftigten des Deutsche Bank-Konzerns nehmen daran teil, im Asset-Management-Bereich sind es etwas weniger“, ergänzt Schmidt-Narischkin. Eine Angabe zu den durchschnittlichen Einzahlungen möchte er nicht machen, da die individuellen Beträge stark variieren und zwischen kleineren monatlichen Dotierungen aus dem Grundgehalt und großen Einmalbeiträgen im Rahmen der jährlichen Bonusrunde liegen.

Gerade Letzteres signalisiert einen guten Grund, weshalb Asset Manager mit Zeitkonten bei ihren Mitarbeitern durchaus punkten könnten. Anders als in der gewerblichen Wirtschaft sind es nicht die Vergütungen für Überstunden, die den Anstoß für die Einrichtung von Zeitkonten liefern, sondern die steuerschonende Anlage von Bonuszahlungen, die in der Investment-Branche üblich sind, interessiert sicher viele Beschäftigte der Branche.

Bei der DWS wird man demnächst noch einmal Hand an das Zeitkontenmodell legen. So ist geplant, auch die Option zur Überführung von Restguthaben in bAV aufzunehmen. Bislang ist neben der Verkürzung der Lebensarbeitszeit vor Renteneintritt und einer befristeten Freistellung während des Erwerbslebens auch eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei unveränderten Bezügen möglich.

Noch ganz frisch ist das Zeitkontenmodell bei Allianz Global Investors, das zum 1. Juli 2007 startete. Die Kapitalanlage stellt Allianz Global Investors gemeinsam mit der Allianz Leben zur Verfügung, da es sich um ein hybrides Produkt handelt, das mit den Kollegen der Unternehmenseinheit Allianz Versorgungswerke entwickelt worden ist, die intern alle Mitarbeiter des Konzerns mit bAV-Lösungen versorgt. Damit verfügt die Allianz-Gruppe zugleich über eine dritte Lösung für Zeitkonten, neben einer reinen Versicherungs- und einer Fondslösung, die bereits seit geraumer Zeit am Markt angeboten werden. Das neue Produkt soll, so Tobias Pross, CEO bei Allianz Pension Partners, in absehbarer Zeit auch für das Kundengeschäft eingesetzt werden.

Für ein Hybridprodukt habe man sich wegen der breiten Spannweite in der Belegschaft des Konzerns entschieden. „Das Zeitkonto muss sowohl vom Sacharbeiter in der Schadenabwicklung, dem eine Versicherungslösung näher liegt, als auch vom Portfolio-Manager bei Allianz Global Investors akzeptiert werden“, erklärt Pross. Die Tochtergesellschaft Allianz Pension Partners begleitete die Einführung bei Allianz Global Investors. Beim internen Zeitkonto der Allianz-Gruppe sorgt die Versicherungskomponente für die Garantie der eingezahlten Gehaltsbestandteile. Mit einem individuellen Lifecycle-Konzept wird die Verteilung auf die Asset-Klassen gesteuert und der Aktienanteil bei Annäherung an den Ruhestandszeitpunkt sukzessive verringert. Die Möglichkeit eines Sabbaticals wurde im Zeitkontenmodell zunächst einmal nicht vorgesehen.


Cominvest prüft noch, und die Deka steht in den Startlöchern


Auch die Cominvest prüft derzeit die Einführung eines Lebensarbeitszeitkontos für die eigenen Mitarbeiter, legt sich dazu aber noch nicht detailliert fest. Die DekaBank will bis zum Ende des Jahres ein Kontenmodell installieren. Derzeit stehen die Verhandlungen mit dem Personal- und Betriebsrat zu diesem Thema an. Ein Lehrbeispiel zur Einführung eines internen Lebensarbeitszeitkontos und der Verknüpfung mit dem externen Kundengeschäft lieferte nach Einschätzung der dpn-Redaktion Fidelity ab – siehe dazu auch den Textkasten auf dieser Seite: „Best Practice: Lebensarbeitszeitkonto”.



Kommentiert: Mehr Mut zur eigenen Marke!


Bei Daimler sieht man es vermutlich nur ungern, wenn Mitarbeiter mit einem BMW auf dem Betriebsparkplatz vorfahren. Das kratzt am Firmenstolz, schließlich hält man die Fahrzeuge mit dem Stern für besser oder zumindest für ebenbürtig. Wozu dann also der Gang zur Konkurrenz?

Asset Manager preisen ohne Unterlass die Stärken ihrer Produkte für die private und betriebliche Altersversorgung (bAV) und wollen in diesen beiden Segmenten kräftig mitmischen. So drängt sich die Frage auf, welche Rolle eigentlich Fonds in der bAV der eigenen Mitarbeiter spielen? Ein Asset Manager, der von seinen Fähigkeiten überzeugt ist, müsste die eigenen Portfolios doch zumindest als eine Variante für die bAV mit in Erwägung ziehen.

Doch genau das ist nicht der Fall, jedenfalls nicht in der Breite. Erklärungen gibt es dafür einige. Die deutsche Bankenlandschaft einschließlich deren Investment-Töchter kann ohne größeren eigenen Aufwand durch die Mitgliedschaft im BVV auf erprobte bAV-Produkte zurückgreifen. Gerade für kleinere Unternehmen ist das eine günstige Lösung. Der BVV hat in der Landschaft der Pensionskassen eine veritable Position und bietet zudem mit der eigenen Versorgungskasse noch eine Alternative an.

Wäre es also vergebliche Müh, bei der bAV für die Mitarbeiter Eigenes auf die Beine zu stellen? Mitnichten. Denn damit stünde zugleich eine Referenz für das Kundengeschäft zur Verfügung. Wer sich beim Kunden stark macht für die fondsbasierte bAV, sollte das auch im eigenen Unternehmen vormachen. Natürlich lassen sich nicht alle Asset Manager über einen Kamm scheren. Eine kleine Investment-Boutique wird die bAV anders anpacken als eine Fondsgesellschaft, die in einen großen Konzern eingebunden ist, der maßgeblich den Takt in der bAV vorgibt.

Aber Größe ist keine Bedingung für Innovation. Das zeigen Asset Manager, die sich die bAV auf die Fahne geschrieben haben. Wo im Kundengeschäft eine solche klare Orientierung herrscht, dort finden sich meistens auch maßgeschneiderte bAV-Lösungen für die eigene Mannschaft. Das beste Beispiel dafür sind die Lebensarbeitszeitkonten. Asset Manager, die auf diesem Geschäftsfeld ambitionierte Ziele hegen, verfügen in der Regel auch über ein Zeitkontenmodell für die eigenen Mitarbeiter.

MOR

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