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Ständiger Begleiter mit wachsendem Einfluss

Veröffentlicht am:  02. Juli 2007
— Dr. Amlan Roy, Credit Suisse, Head of Global Demographics and Pension Research

Der demografische Wandel hat für Dr. Amlan Roy, Head of Global Demographics and Pension Research, bei der Credit Suisse in London nicht ausschließlich langfristigen Einfluss auf volkswirtschaftliche Kennziffern sowie die Bewertung jeglicher Vermögenswerte, sondern insbesondere auch sofortigen, kurzfristigen und mittelfristigen. Und das mit all seinen daraus resultierenden Konsequenzen. Dies betonte Roy im Gespräch mit spn, der Schweizer Schwesterpublikation von dpn. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass man deswegen makroökonomische Zusammenhänge noch viel stärker hinterfragen muss.

Demografische Determinanten immer noch unterschätzt

Denn beispielsweise hätten sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren Institutionen wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of England hauptsächlich für die Konsumausgaben als Ganzes interessiert. Nicht hinterfragt wurden jedoch Determinanten wie Alter, Herkunft, Erziehung, Sozialisation oder Risikopräferenz sowie deren Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Doch gerade dies seien wichtige demografische Determinanten. „Das war ein Versäumnis, diese Sichtweise ändert sich jedoch gerade langsam, da zunehmend erkannt wird, dass insbesondere diese Faktoren einen entscheidenden Einfluss auf die Analyse der Zusammensetzung der Konsumausgaben haben“, sagt Roy und verweist gleichzeitig darauf, dass der demografische Wandel zudem zentralen Einfluss auf die Fiskalpolitik eines Landes hat.

Als Konsequenz hieraus lautet eine seiner zentralen Thesen: „Der Staat sollte sich insbesondere um die 20 Prozent der Ärmsten und um die 20 Prozent der Ältesten eines Landes kümmern – der Rest sollte schwerpunktmäßig privatwirtschaftlich organisiert und finanziert werden.“ Anders sei der ständige Begleiter mit wachsendem Einfluss – eben die Demografie – schwerlich zu finanzieren, außer man will eine erdrückende Steuerlast. Ob dass sinnvoll ist, könne natürlich stark bezweifelt werden.

Denn die Herausforderungen durch den demografischen Wandel sind gewaltig. Hierzu einige Fakten: Laut Roy wird die Bevölkerung der EU-15-Staaten zum einen schrumpfen, zum anderen wird sie signifikant älter werden. Entwicklungen, die auch einen zentralen Einfluss auf das potenzielle Wachstum der einzelnen Länder haben werden, denn dadurch werde das durchschnittliche Wachstum der EU-15-Staaten von 2,2 Prozent für den Zeitraum von 2004 bis 2010 über 1,8 Prozent von 2011 bis 2030 auf letztlich nur noch 1,3 Prozent für die Jahre 2031 bis 2050 sinken.

Mit der Folge, dass dann lediglich die Arbeitsproduktivität der treibende Wachstumsfaktor sein wird. Und zudem damit, dass die Ausgaben für die Altersvorsorge, für das Gesundheitswesen und die Langzeitpflege drastisch nach oben gehen werden – so wachsen in den USA die staatlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen derzeit bereits 2,3-mal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt, in Deutschland beträgt dieser Faktor 2 und in Japan 1,4. ML

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