Vorsorgekonzepte der Asset Manager im Mitarbeitertest
Veröffentlicht am: 25. Juni 2007
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Dr. Ulrich Theelen,
Invesco, Personalchef Kontinentaleuropa
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Invesco Asset Management Deutschland steht kurz vor der Einführung eines Langzeitkontenmodells für die eigenen Mitarbeiter. Das Modell ist weitgehend fertiggestellt, in den kommenden Wochen stehen lediglich noch Abstimmungen mit der Muttergesellschaft zu konkreten Bilanzierungsfragen an. Freigeschaltet werden die Konten aller Wahrscheinlichkeit nach im Spätsommer.
Viele Invesco-Mitarbeiter warten bereits ungeduldig auf den Start für die eigenen Zeitkonten. Für die Anlage der Gehaltsbestandteile, die von den Beschäftigten in das Langzeitkonto eingebracht werden können, wurde laut Dr. Ulrich Theelen, Personalleiter für Kontinentaleuropa, „eine neuartige Investment-Strategie entwickelt“. „Wir werden damit in der Kapitalanlage neben dem Erhalt der eingezahlten Beiträge zum Laufzeitende auch eine Absicherung gegen Inflationsrisiken bieten“ – detaillierter will er noch nicht werden, weil die Langzeitkonten noch nicht offiziell vorgestellt worden sind.
Invesco bastelt an europäischer Plattform
Als Anlagealternative soll noch eine zweite Lösung angeboten werden, die nicht aus dem eigenen Haus stammt. Ein Zeitkontenverwalter wurde noch nicht bestimmt.
Mit der Einführung eines Zeitkontenmodells für die eigenen Mitarbeiter hat man sich vergleichsweise viel Zeit gelassen, immerhin zählt Invesco in Deutschland zu den Vorreitern, wenn es darum geht, Zeitkonten bei Unternehmenskunden zu installieren, zum Beispiel bei Airbus. Bei der Konzeption der zweiten Säule der Altersvorsorge gehe Invesco laut Theelen zunächst immer von ganz Europa aus. Eine europaweite Strategie sei aber äußerst schwierig umzusetzen, da die Möglichkeiten für eine weitere Säule der Altersvorsorge in Europa „ein Patchwork“ seien. So gebe es zum Beispiel in vielen Staaten unterschiedliche und zum Teil ganz enge Freibeträge für die sozialversicherungsfreien Dotierungen.
„Nichtsdestotrotz werden wir im kommenden Jahr eine gemeinsame Plattform für die betriebliche Altersversorgung in Europa anstreben, auf der dann unterschiedliche Produkte zur Auswahl stehen“, sagt Theelen. Für Deutschland wird das neue Langzeitarbeitskonto auf die Plattform gestellt, für den Einsatz in anderen Ländern ist es allerdings noch nicht vorgesehen. „In Italien zum Beispiel müssten dafür erst die Voraussetzungen in einem Tarifvertrag geregelt werden.“
Das neue Zeitkonto will Invesco zugleich als Referenz für Gespräche mit Kunden einsetzen. „Wir können damit demonstrieren, wie solche Modelle funktionieren.“ Das Konzept stelle gegenüber den bereits bei Unternehmen installierten Modellen eine Weiterentwicklung dar.
Durchdringung: ein Viertel bei Metzler ...
Wie Invesco setzen etliche weitere Asset Manager für die Vorsorge ihrer Mitarbeiter neben dem Standardprogramm, das über den BVV als Dienstleister für die betriebliche Altersversorgung im Finanzgewerbe zur Verfügung steht, auf eigene Zeitkontenmodelle. Das liegt auf der Hand, weil viele Investment-Gesellschaften für ihre Kunden Lösungen anbieten und damit die Praktikabilität der eigenen Zeitkonten demonstrieren können. Beispiel Metzler: Seit 2004 wird den Mitarbeitern das Ansparen in Zeitwertmodellen angeboten. Dabei weist die Lösung bei Metzler im Vergleich zu den meisten anderen Modellen bei Investment-Gesellschaften eine Besonderheit auf: Der Arbeitgeber leistet einen Zuschuss von acht Prozent jedes Umwandlungsbeitrags. Er fließt ebenfalls auf das Konto des Mitarbeiters, wird aber zunächst gesondert verbucht. Denn die Arbeitgeberzahlungen stehen dem Mitarbeiter erst dann zu, wenn er innerhalb der nächsten drei Jahre nach Gutschrift noch in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis mit Metzler steht.
Die dreijährige Unverfallbarkeit der Arbeitgeberzahlungen war bei der Installation des Systems durchaus eine knifflige Sache, weil jeweils gesondert ausgewiesen werden muss, welche Teile der Arbeitgeberbeiträge schon unwiderruflich sind. In diesem Jahr, so heißt es bei Metzler, wurden die ersten Zuschüsse des Arbeitgebers als unverfallbar im persönlichen Wertkonto der Mitarbeiter eingebucht. „Inzwischen haben wir für etwa ein Viertel unserer Mitarbeiter Zeitwertkonten eingerichtet“, heißt es. Die Teilnahme gehe quer durch alle Gehalts- und Hierarchieebenen. Sowohl Tarif- und außertarifliche Mitarbeiter als auch Führungskräfte haben Zeitkonten eingerichtet.
... und 70 Prozent bei Fidelity
Auch die in der bAV zuletzt äußerst umtriebige Fidelity hat zunächst im eigenen Haus das Zeitkontenmodell mit den Mitarbeitern erprobt. Diese Phase dauerte rund ein halbes Jahr. Im vierten Quartal 2006 wurde es dann den Kunden angeboten. Intern hat das Modell sehr schnell eine hohe Akzeptanz erreicht. Beim Start im August waren bereits 30 Prozent der Beschäftigten mit einem Konto dabei. Inzwischen sind es rund 70 Prozent. Damit hat Fidelity in sehr kurzer Zeit eine hohe Durchdringungsquote erreicht. Auf den Mitarbeiterkonten haben sich rund 750.000 Euro angesammelt, das sind etwa 10.000 Euro pro Person in nicht einmal einem Jahr.
90 Prozent der angesparten Gelder sind in individuell zusammengestellten Mischungen aus hauseigenen Fonds investiert. Nur bei fünf Prozent greifen die Mitarbeiter auf die Standardlösung des Kontenmodells zurück, ein Mischfonds mit einem ausgewogenen Risikoprofil. Weitere fünf Prozent flossen in Drittfonds, die Fidelity über die eigene Fondsplattform ebenfalls zugänglich gemacht hat.
Frankfurt-Trust setzt auf seinen Trust
Bei Frankfurt-Trust setzt man ganz auf hauseigene Lösungen. Die BHF-Tochter ist in das bAV-System der Mutter eingebunden, die nicht Mitglied im BVV ist und über ein eigenes Contractual Trust Arrangement (CTA) für die Auslagerung von Verpflichtungen für die Altersversorgung verfügt. Über dieses CTA werden auch die Anwartschaften und Rentenverpflichtungen von Frankfurt-Trust ausfinanziert. „Wir leben damit genau das vor, was wir unseren Unternehmenskunden bei der Gestaltung der bAV empfehlen“, erklärt Geschäftsführer Gerhard Engler. Die Investment-Gesellschaft hat sowohl arbeitgeberfinanzierte Pensionszusagen als auch Entgeltumwandlung, deren Kapitaldeckung jeweils über das CTA erfolgt.
Das CTA wurde Anfang 2006 von der BHF-Bank eingerichtet, zunächst lediglich für die Auslagerung der eigenen Verpflichtungen. Im Oktober vergangenen Jahres entschied sich die Bank dann als erstes Institut in Deutschland, das bankeigene CTA nach Prüfung durch die Bafin für Dritte zu öffnen, womit BHF und Frankfurt-Trust ein weiteres Beispiel in der Branche dafür lieferten, wie bAV-Lösungen zunächst im eigenen Haus erprobt werden, um sie später als Produkt auch in der Kundschaft anzubieten.
 Gerhard Engler, Frankfurt-Trust, Geschäftsführer
„Inzwischen haben bereits die ersten beiden Kunden Geld auf das CTA übertragen“, teilt Gerhard Engler mit. Überraschenderweise handelt es sich dabei um zwei Banken. Der erste Kunde hat zum Jahreswechsel mit der Kapitaldeckung über das CTA begonnen. Die zweite Übertragung ist erst wenige Wochen her. Für alle am CTA Beteiligten werden die Finanzmittel jeweils getrennt verwaltet, wodurch die Anlagen passend zu den unternehmensindividuellen Verpflichtungen gemanagt werden. MOR
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