Alexander Schindler: Klarheit und Wahrheit
Veröffentlicht am: 25. Juni 2007
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Autor: Alexander Schindler, Union Asset Management Holding, Mitglied des Vorstands
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Investoren und Asset Manager sind auf dem Weg der Professionalisierung ein gutes Stück vorangekommen. Das Tempo des Fortschritts könnte viele Marktteilnehmer jedoch überfordern und zu einem Rückschlag führen, wenn es nicht gelingt, das Neue verständlich zu machen und vor allem in bedarfsgerechte Konzepte zu übertragen. Transparenz heißt das Gebot der Stunde. Dies gilt auch für einen der neuesten Trends: Portable Alpha.
Transparenz als oberstes Gebot
Die Investment-Industrie hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der dynamischsten Branchen in Deutschland entwickelt. Dies bringt auch die anhaltende Flut an neuen Strategien zum Ausdruck, mit der die Investoren hierzulande seit geraumer Zeit nahezu überschwemmt werden. Ob Total und Absolute Return, Core Satellite, Enhanced Indexing, Overlay Management oder Liability Driven Investing – mit immer kürzerer Taktung offerieren Fondsgesellschaften, Investmentbanken oder Consultants den Anlegern neue Konzepte zur Optimierung der Kapitalanlage.
Die Wissenschaft tut ihr Übriges. In den Think-Tanks der Universitäten entstehen mit schöner Regelmäßigkeit neue und immer komplexere Modelle zur Erklärung der Investment-Welt. Ein symbiotisches Verhältnis ist entstanden, in dem die Branche die Anregungen der Wissenschaft gleichermaßen aufnimmt wie anstößt.
Was bedeutet dies für den Investor? Fluch oder Segen? Kritiker beurteilen dies gelegentlich skeptisch. Die mit den Werken von Harry M. Markowitz begründete moderne Portfolio-Management-Theorie hätte die Anleger in den letzten 50 Jahren nicht wirklich weitergebracht, so ihr Urteil. Die Mehrheit der Experten mag sich dieser Ansicht freilich nicht anschließen. Denn sie erkennen, dass die Welt der Kapitalanlage nicht zuletzt durch die Globalisierung und Vernetzung der Finanzwirtschaft komplexer und anspruchsvoller geworden ist und deshalb neuer Antworten bedarf.
Klare Definitionen gefordert
Doch festzuhalten ist: Angesichts der Vielfalt an Innovationen fällt es manchem Investor schwer, den Wald vor lauter Bäumen noch zu erkennen. Diese Verunsicherung ist nicht in erster Linie dem Anleger zuzuschreiben, sondern findet ihren Ursprung verstärkt in der Unklarheit, mit der die Anbieter ihre neuen Strategien häufig genug kommunizieren. Die erhöhte Komplexität sollte der Branche Verpflichtung sein, mit verständlichen Begriffen, klar definierten Konzepten und transparenten Prozessen für Durchblick zu sorgen. Anderenfalls drohen ein Vertrauensverlust bei Investoren und eine mögliche Abwehrhaltung gegenüber neuen Ansätzen.
Klarheit und Wahrheit heißt das Gebot der Stunde. Dies gilt besonders für einen der neuesten Trends der Investment-Branche: Portable Alpha. Vor dem Hintergrund eines nach wie vor schwierigen Zinsumfeldes erscheint dieses Konzept vielen derzeit als der bestmögliche Ansatz zur Lösung der Renditeprobleme institutioneller Investoren. In gleichem Maße beinhaltet die Strategie jedoch auch ein beachtliches Enttäuschungspotenzial. Denn unter der Bezeichnung Portable Alpha existieren am Markt gegenwärtig durchaus unterschiedliche Konzepte, die nicht für jeden Investor gleichermaßen gut geeignet sind.
Über Produktwahrheit und Produktklarheit am Beispiel von Portable Alpha
Um nicht missverstanden zu werden: Konsequent umgesetzt ist Portable Alpha keine Mogelpackung und mit Sicherheit mehr als nur ein Modetrend. Denn mit diesem innovativen Investment-Ansatz lassen sich gänzlich neue Portfolio-Konstruktionen abbilden und die knappen Risikobudgets effizienter nutzen. Der Ansatz hat sogar das Potenzial dazu, einen Paradigmenwechsel im Asset Management einzuleiten. Doch dazu muss er sich am Markt durchsetzen, das heißt von den großen Anlegergruppen nachhaltig angenommen werden. Hierfür muss den Investoren allerdings klar sein, mit welcher Form von Portable-Alpha-Konzept sie es im Bedarfsfall zu tun haben. Alter Wein in neuen Schläuchen ist das Letzte, was Investoren wünschen. Anderenfalls könnten Enttäuschung und Vertrauensverlust zu einem Mühlstein am Hals der Portable-Alpha-Manager werden.
Transparenz ist vonnöten. Alpha Porting im Rahmen einer Black Box darf es nicht geben. Vielmehr müssen die Anbieter dieser Strategien unmissverständlich deutlich machen, wie ihr Produkt funktioniert, wo und wie genau welches Alpha generiert wird sowie welche Risiken damit verbunden sind. Vor allem ist darauf zu achten, dass sich keine hohen systematischen Beta-Risiken in den Konzepten verbergen.
Trotz erster weltweiter Umsetzungserfolge vor allem von großen Pensionseinrichtungen und Unternehmen ist Portable Alpha noch keine flächendeckend etablierte Investment-Strategie. Dies liegt einerseits an den sehr komplexen Anforderungen seiner Ausgestaltung. Zu einem Gutteil jedoch auch daran, dass es der Branche bisher nicht ausreichend gelungen ist, die Rahmenbedingungen des Konzeptes verständlich zu kommunizieren und die Strategie für die breite Masse der institutionellen Anleger bedarfsgerecht umzusetzen.
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