bAV: und doch ein Mittel der Personalpolitik
Veröffentlicht am: 03. Mai 2007
Für deutsche Unternehmen ist die betriebliche Altersversorgung vorrangig ein Mittel der Personalpolitik, und eben kein monetärer Entgeltbestandteil.
Diese These, auf der die konträren Positionen der deutschen Altersversorgungs-Lobby zur EU-Kommission beim Thema Portabilitätsrichtlinie basieren, bestätigen die Ergebnisse der im vergangenen Herbst durchgeführten Umfrage von Höfer Vorsorgemanagement aus Mülheim an der Ruhr unter mehr als 500 Unternehmen.
Danach haben über zwei Drittel ein Interesse daran, eine betriebliche Altersversorgung (bAV) zu gewähren – und über die Hälfte insgesamt gaben an, dass die bAV bei der Akquisition neuer Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielt. „Dieses Ergebnis hat uns positiv überrascht. Es zeigt auch, dass es bei der bAV nicht immer nur um die Entgeltumwandlung geht“, sagt Norbert Kuchem, der das operative Geschäft bei Höfer leitet.
À propos Entgeltumwandlung: 69 Prozent halten sie für wichtig und dementsprechend hoch ist auch das Förderinteresse der Unternehmen: Immerhin geben fast drei Viertel der Befragten an, die Entgeltumwandlung aktiv unter den Beschäftigten zu verbreiten. Wie Dr. Hugues Höfer, Gesellschafter-Geschäftsführer bei Höfer, in einer Zusammenfassung der Ergebnisse schreibt, verbreiten sich sowohl Opt-Out-Modelle als auch mischfinanzierte Modelle zunehmend.
Pensionsfonds im Kommen
Die Statistik über die Durchführungswege, welche die befragten Unternehmen – Groß- und Mittelunternehmen ab 100 Beschäftigte – anbieten, überrascht weniger: Die Direktversicherungszusage und die unmittelbare Versorgungszusage dominieren, einzig die Höhe der Pensionskassenzusage (44 Prozent bieten das an) überrascht ein wenig (vergleiche Abbildung 1). Der Pensionsfonds ist mit 3 Prozent der Nennungen weit abgeschlagen; ein Bild, das sich laut Kuchem ändern wird: „Deren Bedeutung wird überproportional stark steigen. Es würde mich nicht überraschen, wenn in fünf Jahren 10 bis 15 Prozent der Unternehmen den fünften Durchführungsweg anbieten.“ Ein Grund: die positive Entwicklung an den Aktienmärkten, welche die Opportunitätskosten anderer Durchführungswege so offen zutage treten lässt wie noch nie zuvor. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass immer mehr Unternehmen ihre Versorgungszusagen nicht mehr nur nach Handelsgesetzbuch (HGB) und Einkommensteuergesetz (EStG), sondern auch international – nach IFRS/FAS – bilanzieren. So geben 76 Prozent der Unternehmen an, bislang nur nach HGB und EStG zu bilanzieren, und von diesen werden immerhin knapp die Hälfte (48 Prozent) künftig international bilanzieren. „Das heißt, der Bedarf nach Funded Liabilities wird weiter wachsen“, so Kuchem, so dass neben Contractual Trust Arrangements und Übertragungen auf rückgedeckte Unterstützungskassen auch Pensionsfonds bedeutender werden dürften.
Die Tendenz zur Ausfinanzierung bestätigen 64 Prozent der Befragten: Soviele sichern nach eigenen Angaben ihre unmittelbare Versorgungszusage zumindest teilweise durch Rückdeckungs-Versicherungen oder Fonds ab.
Eine andere Tendenz, die Tendenz zur beitragsorientierten Zusage, ist laut Hugues Höfer „unverkennbar“: Gemäß der aktuellen Umfrage sind die Leistungen bei 40 Prozent der Unternehmen beitragsorientiert – in einigen Jahren, so Höfer, werde das noch ausgeprägter sein. Von den 55 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihr Versorgungswerk geändert haben, vermutet Höfer ebenfalls, dass sie in größerem Stil auf beitragsorientierte Zusagen umgestellt haben – ebenso wie die 9 Prozent, die angeben, eine Neuordnung des Werkes solle zeitnah erfolgen (vergleiche Abbildung 2). 35 Prozent planen keine Änderung, und 56 Prozent machten keine Angaben. Letztere, so spekuliert Höfer, warteten auf die zukünftige Entwicklung bei der Entgeltumwandlung. „Kommt die Doppelverbeitragung, wird sich ein Großteil dieser 56 Prozent für eine Neuordnung entscheiden“, sagt Kuchem.
Zeitwertkonten noch wenig populär
Eine der Ausweichlösungen, mit der Unternehmen der Doppelverbeitragung (noch) ein Schnippchen schlagen könnten, nämlich Zeitwertkonten, scheint derzeit noch recht wenige Unternehmen zu interessieren: Immerhin gaben zwei Drittel an, kein Interesse an den Zeitwertkonten zu haben. „Hier hatten wir eindeutig mit mehr Interesse gerechnet“, kommentiert Kuchem dieses Ergebnis. Zumindest für deutsche Landesbanken konnte dpn dieses Ergebnis bereits bestätigen (siehe dpn brief April 2007; „Fidelity spart Zeit für LBBW“): Danach ist die LBBW mit ihrem gerade erst eingeführten Zeitwertkonten-Modell unter den Landesbanken allein auf weiter Flur; einzig der NordLB werden noch Ambitionen nachgesagt.
Dennoch: Laut Höfer werden künftig mehr Unternehmen Zeitwertkonten einführen. Allerdings appelliert er an die Tarifvertragsparteien, „Grundregeln zu treffen und einen weiten Spielraum für betriebsindividuelle Regelungen zu lassen.“
Positive Beispiele Chemie und Metall
Wie die Umfrage zeigt, haben mittlerweile 40 Prozent der Unternehmen tarifvertragliche Regelungen zur Durchführung der bAV. Als „positive Beispiele“ bezeichnet Höfer die Tarifabschlüsse der Chemie- und der Metallbranche. Unternehmensspezifische Lösungen würden erleichtert, und dadurch sei die Gestaltung des Versorgungsplans und die Wahl des externen Versorgungsträgers variantenreicher. Anders im Handel und im Baugewerbe: Dort seien die firmenindividuellen Freiräume nach Einschätzung Höfers gering.
Portabilität wird gut geschaffen
Wer ab 2005 eine Versorgungszusage über eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds erhalten hat und erhält, hat einen Portabilitätsanspruch. Immerhin schon 40 Prozent der Unternehmen haben offensichtlich bereits eine Lösung gefunden, wie diese Ansprüche portabel gemacht werden. „Das ist recht viel“, sagt Kuchem, „und in den nächsten ein bis zwei Jahren werden 80 bis 90 Prozent eine Lösung gefunden haben.“
Zähes Geschäft mit der Auslagerung
Weit von solchen Prozentzahlen entfernt bleiben wird die Zahl der Unternehmen, die ihre Rentenverwaltung auslagern; derzeit können sich 28 Prozent vorstellen, die Verwaltung auszulagern, über 60 Prozent dagegen nicht! Die Verwaltung bleibt also das, was sie ist: ein zähes Geschäft.
MRO

Abbildung 2: Umfrage-Ergebnisse zur Neuordnung und Verwaltung der betrieblichen Altersversorgung; Quelle: Höfer Vorsorge-Management, 2007.
Abbildung 3: Noch ist das Interesse an Zeitwertkonten begrenzt; Quelle: Höfer Vorsorge-Management, 2007.
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