Das Mandaterennen wird härter
Von Clemens Schuerhoff
Veröffentlicht am: 01. März 2007
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Oliver Berger, JP Morgan AG,
Mitglied des Vorstands
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Die Verteilung des deutschen Custody-Marktes geht in eine neue Runde. Getrieben von den komplexen Anforderungen von Markt und Investoren arbeitet eine Reihe deutscher Anbieter an ihrer strategischen Aufstellung. Die internationalen Häuser sind da einen Schritt voraus – und machen sich vermehrt selbst Konkurrenz.
Der deutsche Markt für Anbieter von Abwicklungsleistungen rund um das Wertpapiergeschäft ist spürbar in Bewegung. Und dies in zweierlei Hinsicht, in struktureller und in inhaltlicher. Strukturell verändert sich die Anbieterlandschaft durch Markteintritte, Joint Ventures und Fusionen und es entstehen neue Organisationen.
Hier gilt es den Spagat zwischen dem operativen Kundengeschäft samt Sales-Prozess und dem internen Projektaufwand zu meistern.
Inhaltlich entwickelt sich die Dienstleistung des Depotbank- oder Custodian-Geschäfts rasant weiter. Die Themen von gestern sind weitgehend abgearbeitet, jedoch sorgen weiterhin neue Impulse für Innovationsaufwand und Weiterentwicklung.
Die diesjährige dpn-Umfrage unter den hierzulande agierenden (Global) Custodians gibt Aufschlüsse über die Situation auf dem Markt und trägt einen Teil zur Transparenz bei. Denn es gibt keine zentrale Stelle, die Volumina, Funktionalitäten und Nachrichten über Custodians und ihre Branche sammelt. Da ist die Investment-Branche über den Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) im Vergleich wesentlich transparenter.
Weiterhin ein sehr heterogenes Teilnehmerfeld
Die Teilnehmerzahl der diesjährigen Studie ist auf zwölf Adressen gestiegen, wobei mit der Helaba und der NordLB zwei Häuser dazu gekommen sind und mit der HSH Nordbank ein Teilnehmer weggefallen ist. Auffällig gegenüber dem Vorjahr ist, dass die Anzahl der Adressen, die keinerlei Rückmeldung auf die Umfrage gegeben hat, deutlich gestiegen ist.
Nach wie vor gar nicht vertreten ist der genossenschaftliche Sektor, der mit der Union Investment eine große Kapitalanlagegesellschaft (KAG) im Investment-Geschäft hat. Ebenso wenig ist aus der Ecke der klassischen Privatbanken zu hören, wie beispielsweise aus dem Anteileignerkreis einer Universal-Investment.
Es ist interessant, wie unterschiedlich die dpn-Umfrage bei den angeschriebenen Marktteilnehmern priorisiert wird. Marketing und Vertrieb stecken bei einem guten Teil der Wettbewerber noch in den Kinderschuhen. Die diesjährigen Teilnehmer der Umfrage stellen mit einem Spezialfondsvolumen von 426,4 Milliarden Euro knapp zwei Drittel des deutschen Spezialfondsmarkts dar – ein repräsentativer Teil des institutionellen Fondsgeschäfts in Deutschland. Gegenüber der Vorjahresumfrage sind die Volumina der Teilnehmer deutlich gestiegen, was die Qualität der Stichprobe erhöht und die Dynamik des Geschäfts andeutet.
Optimierungsarbeiten im Basisgeschäft
Die Kernfunktionen einer Depotbank rund um die Wertpapierabwicklung in den klassischen Wertpapiermärkten sind und bleiben die Basis allen Geschäfts. Die noch immer recht konservative Portfoliostruktur im deutschen institutionellen Investment-Geschäft (vier Fünftel sind Rentenanlagen) führt dazu, dass dieser große Teil relativ unverändert verwaltet wird und es im Wesentlichen zu Prozessoptimierungen kommt. So hat sich Swift bei der Mehrzahl der Umfrageteilnehmer durchgesetzt; die Prozentraten der Datenkommunikation liegen dort zwischen 70 und 90 Prozent. Die Prozesse rund um die Verbuchung von Wertpapieren, Derivaten und den resultierenden Cashflows in den Kernmärkten bilden die Basis des Geschäfts in Deutschland. Diese Basis stellt die Grundanforderung an alle Marktteilnehmer und es gilt diese prozess- und datenoptimiert sauber anzubieten. Nur auf diese Weise können anspruchsvollere Dienstleistungen angeboten werden.
Fließender Übergang zu Value Added Services
Die diesjährige dpn-Umfrage zeigt, dass bei den Teilnehmern viele ehemals innovative Themen abgearbeitet sind und neue Dienstleistungen auf der Agenda stehen. So scheint die Abwicklung von Hedgefonds im Dienstleistungsangebot normal zu werden. Dies gilt ebenfalls für Performance-Attribution, Durchführung von Stresstests und Value-at-Risk-Analysen. Ein Webportal fasziniert heute keinen Investor mehr. Die Komplexität der so genannten Value Added Services wird durch die operationelle Herausforderung bestimmt, welche sich aus der Zunahme von Asset-Klassen, Märkten, Finanzinnovationen und aufsichts- und steuerrechtlichen Regeln ergibt. Die detaillierten Antworten der Teilnehmer an der dpn-Umfrage können mit dem Stichwort „dpn-Umfrage Custodians 2007” per Mail an dpn@ft.com bestellt werden.
Auch Custodians machen sich auf die Suche nach Zusatzerträgen
Neben der Sicherstellung von Transparenz und Kontrolle eines Investments rücken solche Dienstleistungen in den Fokus, welche die Kosten eines Investments reduzieren und Zusatzerträge auf Portfolioebene ermöglichen. Die Herausforderungen liegen weiterhin im Reporting, im Risikomanagement und in der Abbildung innovativer Asset-Klassen bei einer steigenden Anzahl auch exotischer Märkte. Insbesondere letzteres verdeutlicht die Aufgabe der Anbieter, eine regional gut vernetzte Struktur zu entwickeln.
Ein nach wie vor aktuelles Thema ist die Wertpapierleihe (das so genannte „Securities Lending”). Nach Einschätzung von Oliver Berger, Mitglied des Vorstands bei der seit 1995 in Deutschland agierenden JPMorgan (erster Kunde: Hoechster Pensionskasse), lassen sich zusätzlich zu Agency-Lending-Programmen weitere Zusatzerträge in einer Größenordnung von einigen hunderttausend Euro durch das Euroclear Autolend Programm erzielen, je nach Volumen und Struktur des Portfolios. JPMorgan entschied 2006 das Rennen um das wohl größte Neumandat für Custody- und Zusatzleistungen von einem institutionellen Endinvestor für sich – das einer deutschen Pensionskasse.
Differenziert gesehen werden Commission-Recapture-Programme. Es gibt viele Preisabsprachen zwischen den Wertpapierhandelshäusern und den Einkäufern wie Asset Managern und KAGen. Je größer ein Marktteilnehmer gemessen an seinem Handelsvolumen ist, desto größer auch seine Einkaufsmacht bei den Brokern. „Die möglichen Preisvorteile sollten mitgenommen werden“, ist die am häufigsten vertretene Auffassung bei den Custodians. Idealtypisch ist die Trennung zwischen reiner Orderausführung zum besten Preis und Vergünstigungen bei Handel in den vereinbarten Strukturen. Noch geht ein Großteil des Handelsvolumens an hauseigene Kapitalmarkteinheiten. Dieser Anteil sollte den institutionellen Investor interessieren. Eine weitere Zusatzleistung, die Transaktionskostenanalysen, haben an Bedeutung gewonnen. Weiterhin aktuell sind die Themen Proxy Voting, Sammelklagen und alle Themen mit Relevanz zur Corporate Governance.
Auf europäischer Ebene entwickelt sich zudem unter dem Schlagwort Asset- oder Pension Pooling eine interessante Dienstleistung für internationale Investoren, die regional aufgeteilte Investments tätigen. Diese werden in steuertransparente Strukturen überführt, wie beispielsweise in Luxemburger FCPs (Fonds Commun de Placement) in Luxemburg oder irische CCFs (Common Contractual Fund). Das wird ein Thema der Zukunft in Deutschland sein.
Endlich wird resümiert und bewertet
Einige der großen deutschen institutionellen Investoren arbeiten bereits seit rund zehn Jahren mit Global Custodians zusammen. „Wir können in diesem Kundensegment eine Neuorientierung beobachten“ sagt Oliver Berger von JPMorgan. „Der Markt tritt hierzulande in eine neue Phase. Große Investoren beginnen die Leistung ihres Global Custodians zu bewerten, um sich gegebenenfalls neu zu positionieren.“ Das wird eine Umverteilung unter den großen in Deutschland agierenden Global Custodians bedeuten. Und Jochen Meyers, Geschäftsführer der BHF BNY Securities Services GmbH, fügt hinzu: „Die entscheidende Veränderung der vergangenen Jahre ist, dass sich die Investoren selbst oder über Investment Consultants immer mehr in den Auswahlprozess von Master-KAG und Depotbank einschalten.“ Die Folge: Tradierte Strukturen brechen auch für Custodians auf, Mandate werden ausgeschrieben und ganz neu vergeben – häufig an einen großen Player. So heißt es etwa bei BNP Paribas: „Neun von zehn Mandate gehen an drei Anbieter, und alle drei sind Global Custodians.” Für die anderen herrscht ganz offensichtlich verbreitet Unsicherheit, wie eine Profilierung gegenüber dem Wettbewerb erfolgen kann.
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