Immobilien-Derivate: irgendwann sicherlich
Veröffentlicht am: 08. Januar 2007
In Großbritannien sind sie schon ein Thema: Immobilien-Derivate, beispielsweise Property Index Certificates (Pics) und Total Return Swaps (TRS). Bei Pics etwa erhält der Investor eine Rendite, die auf dem IPD UK AII Property Index basiert und eine einkommensabhängige Komponente beinhaltet.
Basiswert ist der IPD UK Annual Index Income Return. Bei TRS werden zwei Ertragsströme gegeneinander ausgetauscht. Ein Vertragspartner erhält beispielsweise einen indexbasierten Immobilienertrag. Dafür zahlt er an den anderen Zinsen. „Immobilien-Derivate sind auch in Deutschland möglich. Wir würden gerne auf den Erfahrungen unserer britischen Mutter Investment Property Databank (IPD) aufbauen und den Banken unseren Index – den Dix – als Plattform zur Verfügung stellen“, sagt Dr. Daniel Piazolo, Geschäftsführer bei der DID Deutsche Immobiliendatenbank.
Die Investmentbanken riechen den Braten
Bei IPD handeln derzeit zwölf Investmentbanken, beispielsweise Goldman Sachs, JPMorgan, Lehman Brothers, Eurohypo, die Deutsche Bank, Merrill Lynch und die UBS mit derartigen Produkten. Laut Piazolo wurden bereits mehr als 3.700 Verträge auf Immobilienindizes abgeschlossen. Die Investmentbanken wären daran interessiert, derartige Transaktionen auch in Deutschland durchzuführen. Das einzig größere Problem: Der Dix wird lediglich einmal im Jahr, in Großbritannien hingegen werden die Immobilienindizes häufiger berechnet. „Wir würden den Dix gerne vierteljährlich berechnen. Dazu sind wir jedoch auf die vierteljährlichen Daten unserer Kunden angewiesen“, erklärt er.
Instrumente gegen regionale Risiken
Auch für Thomas Hainz, stellvertretender Abteilungsleiter Handel und Eigenanlagen bei der Sparkasse Nürnberg sind Immobilien-Derivate interessante Produktinnovationen, insbesondere zur Absicherung bestehender Risiken bei Immobilien. „Gleichwohl braucht es für regional tätige Kreditinstitute wie die Sparkasse Nürnberg maßgeschneiderte Lösungen, die einen entwickelten Markt voraussetzen und auch in der Lage sind, die spezifischen regionalen Klumpenrisiken abzusichern. Dies kann jedoch noch einige Jahre dauern“, sagt er.
Für Thomas Beyerle, Leiter Research & Strategie bei der Degi sind Immobilienindex-Derivate aus Sicht der Angebotsseite nicht unproblematisch. Zwar ist der Dix auch für ihn der zurzeit umfassendste in Deutschland verfügbare Index für direkte Immobilienanlagen – der Dix deckt laut Piazolo 60 Milliarden Euro an Immobilien ab, das sei eine Durchdringung von 53 Prozent des relevanten Markts.
Nicht ohne liquides Reit-Segment
„Aufgrund der Besonderheiten von Bewertungs-Indizes ist es jedoch fraglich, ob Derivate auf der Grundlage des Dix akzeptiert werden. Erst wenn ein liquides Reit-Segment mit einem entsprechenden Index entsteht, rechnen wir mit der breiten Emission von Derivaten, Optionen und G-Reit-Index-Zertifikaten“, sagt Beyerle. Gleichwohl sieht auch Beyerle eine Zunahme der Volatilität an den internationalen Immobilienmärkten. Dies impliziere natürlich eine Nachfrage nach derivativen Produkten. Das innovativste Produkt nütze jedoch nichts, wenn es keinen den Markt repräsentierenden Vergleichsmaßstab gibt. Deshalb: „Ein Schritt nach dem anderen”, rät Beyerle.
ML
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