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Outperformance durch globale Themen Von Marco Lenfers und Frank Wettlauffer, Sarasin Wertpapierhandelsbank AG


Veröffentlicht am:  08. Januar 2007

Alpha erzielen und das Risiko des Gesamtportfolios durch die Aufnahme innovativer Managementstile systematisch reduzieren; das ist das Ziel von aktivem Management. Ein globaler, branchenübergreifender Themenansatz verbindet beides: Er setzt auf stabile Trends und trägt darüber hinaus zur Stildiversifikation bei.

Toyota baut gute Autos. Industriestudien und Umfragen über die Kundenzufriedenheit belegen dies regelmäßig eindrucksvoll. Das Unternehmen verfügt aber nicht nur über zufriedene Fahrzeugbesitzer. Investoren, die die Toyota Aktie im Portfolio haben, können sich seit über zehn Jahren über deutliche Wertsteigerungen freuen. Doch welche Gründe sprachen vor über zehn Jahren für den Kauf der Aktie? Professionelle Anleger beginnen bei ihren Selektionsüberlegungen üblicherweise mit einer Analyse der Branche oder der Region, zu der ein bestimmtes Unternehmen gehört. Die konjunkturellen Probleme, die vor einigen Jahren in Japan vorhanden waren, dürften auf Investoren jedoch eher abschreckend gewirkt haben. Auch die Automobilbranche mit ihren bekannten Problemen, wie beispielsweise den vorhandenen Überkapazitäten, dürfte kaum als überzeugende Investmentbegründung gedient haben. Und das zu Recht, wie die Entwicklungen des japanischen Aktienmarktes und der globalen Automobilunternehmen (Abbildung 1) zeigen.


Musterbeispiel Toyota


Der Topix als Barometer für die Entwicklung der japanischen Unternehmen hat sich bis heute per Saldo kaum verändert. Der globale Automobilsektor konnte zwar zulegen, Anteilseigner von Toyota konnten sich aber über deutlich höhere Wertsteigerungen freuen. Und das, obwohl es sich bei Toyota um ein japanisches Unternehmen handelt, das in der Automobilindustrie tätig ist. Wie findet man solch attraktive Aktien? Ein Themenansatz, der unabhängig von Länder- und Branchenbetrachtungen investiert, identifiziert gezielt die Vorteile von Unternehmen wie Toyota. Dabei gilt es Themen zu finden, die einen direkten Einfluss auf die Profitabilität eines Unternehmens haben und damit entweder die Kosten senken oder die Erträge erhöhen. Die Bruttomarge von Toyota ist beispielsweise doppelt so hoch wie die von General Motors, da die Nachfrage nach den Produkten von Toyota sehr hoch ist. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Die hohe Zuverlässigkeit der Fahrzeuge wurde eingangs bereits genannt. Die hohen Benzinpreise haben zudem die Nachfrage nach verbrauchseffizienten Fahrzeugen steigen lassen, ein Bereich in dem Toyota führend ist. Gleiches gilt für Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen, wie zum Beispiel Hybridfahrzeuge. Dies führt letztlich dazu, dass Konsumenten bereit sind, eine Prämie für ein Auto aus dem Hause Toyota zu zahlen. Das Unternehmen verfügt daher über erhebliche „Preisfestlegungsmacht“, die damit zu überdurchschnittlichen Gewinnen führt. Auch in anderen Sektoren und Regionen lassen sich Unternehmen finden, die überdurchschnittlich hohe Preise durchsetzten können und über eine exzellente Profitabilität verfügen. So unterschiedlich die Gründe im Einzelfall sind, eine Gemeinsamkeit weisen diese Unternehmen auf: Die Aktienkurse der Unternehmen entwickeln sich deshalb gut, weil die Unternehmen über „Preisfestlegungsmacht“ verfügen und nicht, weil sie an einer bestimmten regionalen Börse notiert sind oder einer bestimmten Branche angehören. Länder weisen langfristig nur jährliche Wachstumsraten von vier bis sechs Prozent auf. Bei einzelnen Branchen sind die Schwankungsbreiten zwar größer, liegen aber auch nur zwischen vier und zwölf Prozent. Unternehmensgewinne, getrieben von den richtigen Themen, können hingegen deutlich überproportional wachsen. Anleger, die ihr Portfolio anhand von Themen zusammenstellen, konnten daher in neun der letzten zehn Jahre von einer Outperformance gegenüber der Benchmark profitieren.


Viele Themen wollen ins Portfolio...


Die frühzeitige Identifikation solcher Themen ist komplex und bedarf neben einem exzellenten Netzwerk an Industrieexperten und Analysten ebenso akademischer Partner. Die unterschiedlichsten Trends müssen laufend analysiert und im Hinblick auf ihre mittelfristige Stabilität und den direkten Einfluss auf die Profitabilität von Unternehmen bewertet werden. Entscheidend für eine erfolgreiche Themenwahl ist es, echte Werttreiber zu finden, die schon kurzfristig Einfluss haben. Allgemeine langfristige Entwicklungen, wie beispielsweise die demografischen Veränderungen der nächsten 20 Jahre, sind hierfür nicht spezifisch genug. Reine Branchenthemen wie Biotechnologie oder das Internet sind ebenfalls ungeeignet, da sie extreme Einzelwetten zur Folge hätten. Um einen Zusatznutzen zu generieren, müssen die einzelnen Themen vielmehr gering miteinander korreliert sein und dürfen nicht alle einen ähnlichen Style Bias aufweisen. Ein ausgefeiltes Risikomanagement muss daher schon am Anfang der Prozesskette stehen. Wichtig ist darüber hinaus, die richtige Anzahl der Themen zu bestimmen, wenn sich hinter dem Begriff Themenansatz nicht willkürliches Stock Picking verbergen soll. Vier bis sechs Themen (Abbildung 2) haben sich dabei als vorteilhaft erwiesen, um eine ausreichende Risikodiversifikation zu erreichen und gleichzeitig für signifikante Performancebeiträge der einzelnen Themen zu sorgen.


... doch nicht jedes kommt rein


Nachdem die Themen festgelegt worden sind, muss das Anlageuniversum nach Unternehmen durchsucht werden, die am stärksten von den Themen profitieren. Dazu werden objektive, themenspezifische Kriterien als Filter eingesetzt. Beispielsweise werden für das Thema „Preisfestlegungsmacht“ unter anderem die folgenden Kriterien verwendet:

  • Preissteigerungen resultieren in Umsatzsteigerungen. Es werden daher Unternehmen gesucht, die seit Jahren ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum aufweisen.
  • Steigende Umsätze sollen durch steigende Preise und nicht durch sinkende Margen ereicht werden. Daher müssen die Unternehmen überdurchschnittliche, jährliche Margensteigerungen aufweisen.
  • Ein Unternehmen mit Preisfestlegungsmacht ist in der Lage, höhere Gewinne zu erzielen. Die operative Marge des Unternehmens muss innerhalb der Vergleichsgruppe daher überdurchschnittlich hoch sein.
Die Titel mit der besten relativen Bewertung werden in einem zweiten Schritt einer eingehenden qualitativen Überprüfung unterzogen. Dabei wird für jedes Thema eine Checkliste erstellt. So kann überprüft werden, ob das Unternehmen tatsächlich über attraktive thematische Eigenschaften verfügt oder ob das Resultat des quantitativen Vergleiches auf zufälligen Faktoren beruht. Bein Thema Preisfestlegungsmacht sind unter anderem folgende Fragen zu prüfen:

  • Gehen die Preissteigerungen über den reinen Inflationsanstieg hinaus?
  • Woher resultiert die Preisfestlegungsmacht? Über welche Wettbewerbsvorteile verfügt das Unternehmen?
  • Ist die Preisfestlegungsmacht nachhaltig? Wie hoch sind die Eintrittsbarrieren für Wettbewerber?
Unternehmen, die sowohl den quantitativen als auch den qualitativen Test erfolgreich bestanden haben, werden schließlich einer eingehenden finanziellen Analyse unterzogen. Dabei wird ermittelt, ob die attraktiven thematischen Eigenschaften bereits im Aktienkurs enthalten sind. Hierzu werden unter anderem gängige Indikatoren und Bewertungskennzahlen herangezogen. In das Portfolio werden letztlich nur Titel aufgenommen, die diesen strengen dreistufigen Investmentprozess erfolgreich durchlaufen haben und sich zur Bildung effizienter Portfolios eigenen. Investiert wird ausschließlich in die global 60 bis 90 attraktivsten Unternehmen – unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer Benchmark beziehungsweise ihrem Benchmarkgewicht.


Innovatives Management soll zu Stildiversifikation führen


Kern des Investmentansatzes ist die Identifikation interessanter Titel, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Benchmark. Dieses Vorgehen erhöht die Wahrscheinlichkeit, andere Titel zu finden als bei der klassischen Länder- und Sektorallokation oder bei einem passiven Ansatz, da hier die Benchmark der Ausgangspunkt der Portfoliokonstruktion ist. Die Korrelation zwischen einem Themenansatz und diesen Konzepten ist daher geringer als beispielsweise zwischen zwei Fonds, die eine aktive Länderallokation betreiben. Durch die Beimischung eines Fonds auf Basis des Themenansatzes lässt sich das Risiko des Gesamtportfolios reduzieren, ohne auf attraktive Renditen verzichten zu müssen. Eine Strategie, die sich besonders im Rahmen eines Core-Satellite-Ansatzes eignet, den viele institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke verfolgen.


Keine unkalkulierbaren Risiken


Aktives Management bedeutet das Eingehen von relativen Risiken gegenüber einem Vergleichsindex. Das darf aber nicht dazu führen, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Daher müssen Risikoquellen, nicht zuletzt im Hinblick auf die regulatorischen Anforderungen vieler institutioneller Investoren, bereits ex ante offengelegt, kontrolliert und begrenzt werden. Das Instrumentarium des Portfoliomanagement ermöglicht auch bei einem benchmarkfreien Investmentkonzept wie dem Themenansatz die Berücksichtigung von Vorgaben, beispielsweise hinsichtlich des Tracking Errors oder des Währungsexposures. Anlegerspezifische Bedürfnisse lassen sich auf diese Weise individuell integrieren, ohne die Gesamtstrategie in Frage zu stellen.

Ein Themenansatz unterscheidet sich deutlich von den klassischen Ansätzen der Länder- und Branchenallokation. Die zukunftsorientierte Art der Portfoliozusammenstellung macht die Identifikation interessanter Titel – gerade auch außerhalb eines Benchmark-Universums – deutlich wahrscheinlicher. Damit bietet der Themenansatz Anlegern die Chance auf die Erzielung höherer Renditen, reduziert aufgrund der Stildiversifikation gleichzeitig das Risiko des Gesamtportfolios erheblich und stellt daher neben einer Basisanlage im Bereich internationale Aktien auch im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie eine sinnvolle Anlagealternative dar.


In Zusammenarbeit mit: Sarasin Wertpapierhandelsbank AG

ANSPRECHPARTNER:

Marco Lenfers, CFA
Vizedirektor, Institutionelle Kunden


Sarasin Wertpapierhandelsbank AG
Friedrichstraße 9
80801 München
Tel.: +49 (0) 89 33 99 74 - 41
marco.lenfers@sarasin.de
www.sarasin.de

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