Im Rekordfieber
Von Maik Rodewald, Chefredakteur
Veröffentlicht am: 14. November 2006
Rekorde, Rekorde, Rekorde – Darin suhlt sich derzeit die Immobilienbranche. „Da geht’s ab“, so verabschiedete sich neulich ein altgedienter Recke gen Expo Real – einer, der im Wertpapiergeschäft groß geworden ist, wohlgemerkt. Ein Beleg dafür, wie Ernst Immobilien derzeit genommen werden – trotz der unguten Vibes, die einen immer noch durchziehen, wenn die Sprache auf offene Immobilienfonds kommt. Keine Frage: Die Diskussion über die Einführung der G-Reits hat – ähnlich wie die von Franz Müntefering angestoßene Heuschrecken-Debatte der Private-Equity-Branche – dabei zweifellos geholfen. Die Politiker haben also ihre Pflicht bereits getan; Egal, wie der Reit ausgestaltet sein wird. Ausländische Großinvestoren haben Blut geleckt – und werden ihre Untergewichtung deutscher Immobilien eher schnell als langsam abbauen.
Alles deutet darauf hin: Immobilien schicken sich an, in neue Dimensionen vorzustoßen – als endlich (fast) gleichberechtigte strategische Anlagekategorie, neben Aktien und Renten. Die andere Seite der Medaille: Sie muss sich auch als solche behandeln lassen. Die Folge: Quantitative Methoden halten Einzug, alles wird transparenter. Die Schlipsträger erobern den Beton und beanspruchen ihren Teil des Kuchens, und die Blaumänner schwinden. An Indizes – endlich auch transaktionsbasierten – wird schon feste gearbeitet. Derivate darauf werden folgen, so wie in anderen Ländern auch. Wer eine Shoppingcenter-Rendite braucht, kann sie dann gegen seine Büroimmobilien-Rendite tauschen. „Swap“, so nennen das die Investmentbanker.
Die Anbieter von Immobilieninvestments sollten ob der ganzen tollen Euphorie ihre Hausaufgaben aber nicht ganz vergessen. Die schöne neue Welt hat auch so manchem Anbieter im Wertpapiergeschäft zu schaffen gemacht. Dieses Schicksal erwartet auch solche, die der Intransparenz weiter frönen. Arbeit hat die Branche auch beim Reporting – und wie man direkte Immobilienbestände, indirekte Anlageformen und die anderen Asset-Klassen insgesamt betrachten kann. Und das eben nicht so, wie es – wenn überhaupt – derzeit noch gemacht wird: manuell.
Die größte Herausforderung scheint indes eine andere zu werden: die Ausbildung geeigneten Nachwuchses. Denn die neue Generation der Immobilienexperten muss mehr können als die alte: eine Kreuzung aus Investmentbanker und Immobilienmenschen. Ob das realistisch ist, kann man bezweifeln – noch.
Herzlichst, Ihr
Maik Rodewald, Chefredakteur
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