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Asset Pooling braucht größere Lobby

Veröffentlicht am:  14. November 2006
— Jörg Ambrosius, State Street Bank, Geschäftsführer

Eine Tendenz muss nicht immer gleich ein Trend sein. Dennoch zeichnet sich ab, dass Asset Pooling für institutionelle Investoren wichtiger wird. Aktuelles Beispiel: Citigroup übernimmt für den holländischen Versicherer Aegon die technische Verwaltung von Vermögenswerten in Höhe von 40 Milliarden Euro und stellt eine Investmentplattform zur Verfügung, mit der Asset Pooling möglich ist. Der Versicherungskonzern kämpfte in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Jurisdiktionen und steuerlichen Ungleichbehandlungen. Diese zwangen ihn, auf drei Ebenen zu agieren – auf der Ebene der Versicherten, des Versicherungskonzerns und der Pensionsfonds. „Die Investmentplattform ermöglicht es uns, die Assets aller drei Ebenen zu poolen“, sagt Eric Rutten, CEO Asset Management bei Aegon in Den Haag. Aegon nutzt hierfür das vom niederländischen Finanzministerium erst vor kurzem ins Leben gerufene Vehikel „Fonds voor Gemene Rekening“. Die Investmentplattform erleichtert es, komplexe Investmentstrategien umzusetzen und Derivate einzusetzen. Gleichzeitig übernimmt Citigroup Aegons Fondsbuchhaltung, Performance-Messung und Wertpapierleihe. Das Projekt soll bis zum dritten Quartal 2007 abgeschlossen sein.

Große Summen wandern ins Ausland

Ein anderer Custodian, State Street, beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit Asset Pooling. Zwei große Projekte hat Geschäftsführer Jörg Ambrosius in Aussicht. Gleichwohl weist Ambrosius auf einen komparativen Nachteil Deutschlands hin. Denn Asset Pooling verlangt ein steuertransparentes Vehikel – Beispiele hierfür sind der irische Common Contractual Fund (CCF), der Luxemburger Fonds Commun de Placement (FCP) und der holländische Fonds voor Gemene Rekening (FGR). Genau ein solches Vehikel fehle Deutschland. „Damit institutionelle Gelder im eigenen Land bleiben, haben einige Regierungen innerhalb von sechs Monaten Vehikel aus dem Boden gestampft. Warum ist das hierzulande nicht möglich?“, fragt Ambrosius. Die gravierenden Konsequenzen des Nichtstuns: Große Summen wandern ins Ausland – nach Luxemburg, Irland oder Holland. Dies ist zwar kein Problem für die Global Custodians, da diese auch in diesen Ländern vertreten sind. „Dies stellt jedoch ein großes Problem für die deutschen Kapitalanlagegesellschaften dar, da die Summen unweigerlich verloren sind“, sagt Ambrosius und fordert die deutsche Asset-Management-Industrie auf, gegenzusteuern und politischen Druck aufzubauen, um die Interessen des Finanzplatzes Deutschland zu stärken. Zugleich gilt es, in die Zukunft zu schauen. Zwar scheuen sich derzeit noch viele Unternehmen, ein Asset Pooling durchzuführen – die steuerlichen Hürden sind noch zu hoch. Dies wird sich aber rasch ändern, je mehr steuerliche Klarstellungen es diesbezüglich gibt. Mit dem Ergebnis, dass noch mehr Kapital zuungunsten deutscher KAGen abfließen dürfte.

Weitere Marktteilnehmer adressieren die deutsche Malaise des Asset Poolings ebenfalls. Beispielsweise sucht man bei ABN Amro Mellon nach Lösungen, wie man vorhandene Vehikel steuertransparent machen könnte. Auch ABN Amro Mellon hat eine Plattform entwickelt, mit der man Asset Pooling durchführen kann. „Wir prüfen, ob es potenziell möglich ist, beispielsweise einen deutschen Pensionsfonds als Pooling-Vehikel zu nutzen, und was noch zu tun ist, um die Steuertransparenz zu gewährleisten“, sagt Geschäftsleiterin Michelle Grundmann. Ein Bemühen, das hoffentlich von den deutschen Finanzbehörden honoriert wird.

Reges Neugeschäft

Gleichwohl ist Asset Pooling nur ein Thema, das die Custodians derzeit umtreibt. ABN Amro Mellon etwa wird in den nächsten Wochen ein Depot- und Wertpapierleihe-Mandat im Volumen von 115 Milliarden Euro von der Depfa-Gruppe übernehmen. Darüber hinaus werden sich die Holländer die Verwaltung interner Tätigkeiten wie Transaktionen im Rahmen umgekehrter Pensionsgeschäfte, die Verwahrung von deckungsstockfähigen Pensionsgeschäften für Asset Backed Bonds sowie die Wertpapierleiheaktivitäten der Depfa einverleiben.

Ein anderer Player, HSBC Securities Services, setzt auf sein neues Fonds-Order-Routing & Custody-Produkt. Im Bereich Fonds-Order-Routing & Custody kämpft die Branche laut Gina Slotosch, Head of Business Development, häufiger mit operativen Risiken, es gibt Systembrüche an Schnittstellen, Probleme mit Spitzen im Ordervolumen, eine hohe Stornohäufigkeit und Abwicklungsschwierigkeiten bei den Bestandsprovisionen. Summa summarum: Es ist ein hoher manueller Aufwand nötig. „Wir können den Prozess jetzt im Unterschied zu einigen anderen Mitbewerbern komplett automatisieren. Es ist ein 100prozentiger Straight-Through-Prozess, bei dem wir für den Kunden auch die Bestandsprovision einziehen“, sagt Slotosch und verweist auf die Zuwachsraten im Neugeschäft. So hatten die Düsseldorfer Ende 2005 in Deutschland 103 Milliarden Euro unter Verwahrung, Ende September dieses Jahres waren es bereits 143 Milliarden Euro. Auch im Depotbankbereich wurden Zuwächse erzielt: von 17,4 Milliarden Euro Ende 2005 auf rund 26 Milliarden Ende September. Das jüngste Beispiel ist die Continental AG, deren 300 Millionen Euro Global-Custody-Mandat im Oktober an HSBC Securities Services Germany ging. Eine Entwicklung, die das Unternehmen unter anderem dazu veranlasst, Personal aufzustocken. Sowohl Fatih Düger, neuer Head of Client Services, als auch Attila Demirci, neuer Leiter des Depotbankbereichs, wurden im zweiten Halbjahr 2006 eingestellt. Beide kommen von State Street. ML

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