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Absolute Return à la Berlin

Veröffentlicht am:  14. November 2006

Wirklich langfristig investieren zu können, das wünschte sich so mancher institutionelle Investor. Ein Family Office hindert nichts daran. Doch nicht nur deshalb ist es frappierend, wie stark sich deren Anlagephilosophie und-organisation unterscheiden können. Das Fazit: Langfristanleger ist nicht gleich Langfristanleger.

Fragen: Murat Ünal und Maik Rodewald

Antworten: Ernst-Ludwig Drayß, Berlin & Co., Vorstandsmitglied

dpn: Herr Drayß, Sie sind neben Dr. Tilo Berlin und Ralph Kempcke Vorstand bei Berlin & Co. Was machen Sie genau?

Drayß: Wir betreuen komplexe Vermögen im deutschsprachigen Raum, sind als Finanzdienstleister unabhängig und bieten Family-Office-Dienstleistungen, Vermögenscontrolling – insbesondere für Stiftungen – und Vermögensverwaltung an. Derzeit haben wir Büros in Hamburg, Frankfurt, München, Salzburg und Wien und betreuen vorwiegend Privatpersonen, darunter viele Unternehmer, aber auch Kirchen und Stiftungen. Wir betreuen für mehr als 100 Kunden deutlich über drei Milliarden Euro. Dafür haben wir 37 Mitarbeiter.

dpn: Der reale Kapitalerhalt spielt bei Family Offices eine überragende Rolle, bei Ihnen auch?

Drayß: Ja. Überspitzt gesagt haben wir nicht den Ehrgeiz, unsere Kunden reich zu machen. Die Ziele unserer Kunden verlangen einen Absolute-Return-Charakter der Anlagestruktur. Das ist der Ausgangspunkt, alles andere, wie relative Betrachtungen oder die Entscheidung nach aktivem oder passivem Asset Management, leitet sich daraus ab. Dafür erstellen wir mit dem Mandanten eine Privatbilanz. Hierbei achten wir natürlich auf disponibles und gebundenes Vermögen. Steuerliche Aspekte spielen auch eine Rolle, vor allem auch bei Nachfolge- und Erbschaftsregelungen.

dpn: Verlangt dieser Absolute-Return-Charakter zwingend auch Absolute-Return-Produkte?

Drayß: Im Gegenteil, wir überlassen die Allokation nicht Dritten, daher investieren wir grundsätzlich nicht in Absolute-Return-Produkte, sondern überwiegend in Publikumsfonds zu institutionellen Konditionen. Damit sind wir flexibler und freier als bei direkten Mandatsvergaben. Wir investieren einen Teil der Anlagen passiv, aktive Manager suchen wir eher für Nischenmärkte. Wir haben eine Vorliebe für quantitative Manager, denn diese Ansätze verlangen eine gewisse Disziplin und gehen ab vom Bauchgefühl. Da wir systematisch agieren, ist das unserer Philosophie näher. Außerdem sind wir keine Freunde von strukturierten Produkten und investieren auch nur in solche, die wir verstehen und selbst duplizieren können.

dpn: Welche Vorteile hat ein Family Office gegenüber anderen institutionellen Investoren?

Drayß: Ganz einfach: Niemand hindert uns daran, wirklich langfristig zu investieren und die Zeitdiversifikation für uns arbeiten zu lassen. Wir müssen nicht in langfristige Anleihen investieren, wenn die Zinsentwicklung dagegen spricht – wie es beispielsweise bei Versicherern der Fall ist. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Außerdem ist der Anleiheanteil verglichen mit Versicherern, Pensionskassen oder Versorgungswerken sehr gering. Wir müssen auch nicht aus bloßen Rechtfertigungsgründen einen großen bekannten Asset Manager auswählen. Unsere Erfahrung ist, dass gute Performance häufig in Nischen und von kleinen Teams erzielt wird. Natürlich können wir auch Hedgefonds deutlich stärker einsetzen: In unseren Standardportfolios sind sie mit rund zehn Prozent gewichtet.

dpn: Was erwarten Sie von Hedgefonds-Managern?

Drayß: Jedenfalls keine Wundertaten: Im Schnitt rechnen wir mit sechs bis zehn Prozent. Strategien, die wir nicht verstehen, kommen nicht in Frage. Deswegen lieben wir keine Dachfonds.

dpn: Finden Sie Reits interessant?

Drayß: Wenn man neben offenen Immobilienfonds, die wir ebenfalls einsetzen, weiter diversifizieren möchte, ist das eine Alternative, vor allem in Asien und in Japan. Ich bin trotzdem sehr skeptisch bezüglich der Bewertung der Reits: Die historischen Daten über Reits sind in einem Umfeld permanent fallender Zinsen entstanden, und dieses Umfeld hat sich deutlich verändert, denn wir haben keine Phase langjährig fallender Zinsen vor uns. Außerdem kaufen wir Immobilien gerne zum Net Asset Value und ungern höher. Grundsätzlich halte ich die regionale Betrachtung im Falle von Immobilien für zweitrangig, es gibt auf der ganzen Welt interessante Objekte.

dpn: Herr Drayß, Sie gelten als einer der Pioniere des institutionellen Asset Managements in Deutschland. Aus dem Dialog mit Ihnen und mit anderen Family Offices gewinnt man den Eindruck, dass nur die wirklichen Meister ihres Fachs bei Family Offices unterkommen. Sind Family Offices die besseren institutionellen Anleger?

Drayß: Das weiß ich nicht. Der Erfahrungsschatz von Family-Office-Mitarbeitern dürfte aber nach meiner Beobachtung im Schnitt deutlich höher sein als der beispielsweise von Fondsmanagern.

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