Kapitalerhalt geht vor Kapitalaufbau
Veröffentlicht am: 14. November 2006
Nicht auf Züge springen, die man nicht nachverfolgen kann – mit dieser Maßgabe fährt das in London und Bahrain ansässige erste unabhängige Multi Family Office im arabischen Raum bisher sehr gut. Ein anderes Merkmal der Kapitalanlage: der alternative Core-satellite-Ansatz. Kostenmanagement ist dabei auch für The Family Office Pflicht.
Fragen: Murat Ünal und Jan Altmann
Antworten: Michka Kovats, The Family Office (London/Bahrain), Chief Investment Officer
dpn: Herr Kovats, was macht The Family Office?
Kovats: The Family Office (Bahrain/London) wurde mit dem Ziel gegründet, vermögenden Investoren aus der Golf-Region eine Plattform anzubieten, die selbst nicht die kritische Masse für ein eigenes Family Office haben. Unsere Kunden lassen im Schnitt 30 bis 300 Millionen US-Dollar verwalten.
dpn: Was unterscheidet Sie von anderen Family Offices?
Kovats: Im Gegensatz zu Ihnen bekannten ist es eindeutig der regionale Fokus. Wir genießen als erstes unabhängiges Multi Family Office im arabischen Raum eine Alleinstellung. Sie müssen bedenken, dass die Golf-Region sehr von Clans dominiert wird, und die Familien sich gegenseitig nur ungern die Karten zeigen. Es gibt auch deutliche kulturelle Aspekte, die man bei der Auswahl eines Family Offices berücksichtigen sollte. Für eine vermögende Familie aus Deutschland sind wir eventuell nicht die erste Wahl, da wir kein steuerliches Know-how anbieten. Das ist in der Golf-Region nicht gefragt.
dpn: Wie sieht ihr typischer Kunde aus?
Kovats: Unsere Kunden zählen vorrangig zur ersten Generation von Familienunternehmern, die selbst wenig über Finanzen wissen, dafür umso mehr vom operativen Geschäft, in dem sie erfolgreich sind. Daneben betreuen wir auch die zweiten und dritten Generationen, die vergleichsweise jung sind, aus vermögenden Familien stammen und die Verantwortung für die Vermögensverwaltung inne haben.
dpn: Welche Vorteile ergeben sich aus der Präsenz in Bahrain und London?
Kovats: Bahrain liegt günstig nahe an Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es ist leicht, ausländische Mitarbeiter nach Bahrain zu ziehen, da die Lebensqualität dort sehr hoch ist. London spielt bei uns eher die Rolle des Investment-Nukleus. Hier ist die Nähe zu den Großbanken und die Bedeutung von London als Finanzzentrum wichtig. Wir haben auch eine FSA-Zulassung, das wird zusätzlich als Qualitätsmerkmal wahrgenommen.
dpn: Nach welchen Grundsätzen legen Sie an?
Kovats: Die einzigen Limitationen sind die Zielsetzungen unserer Kunden. Deren primäres Ziel ist regelmäßig der Kapitalerhalt, erst danach kommt der Kapitalaufbau. Wir investieren nur in solche Vehikel, die unser sehr erfahrenes Team auch versteht. Denken Sie nur an Structured Notes, an denen die Banken sehr viel Geld verdienen. De facto ist es nicht möglich, für diese intransparenten Produkte einen fairen Preis zu bestimmen. Collateralized Debt Obligations sind ebenfalls ein schönes Beispiel dafür. Das ist auch ein Appell an institutionelle Investoren, nicht auf irgendwelche Züge zu springen, die sie nicht nachverfolgen können.
Wir investieren auch nicht in kurzfristige Deals, sondern in langfristige Trends. Wir sind auch in alternativen Anlagen engagiert, wie zum Beispiel in Private Equity und Hedgefonds. Ein großes Problem bei vielen Hedgefonds ist es, dass sie bloß alternatives Beta bieten – aber zu hohen Gebühren.
dpn: Sie verfolgen grundsätzlich einen Core-satellite-Ansatz. Wie investieren Sie en Detail?
Kovats: Neben Geldmarktinvestitionen engagieren wir uns in Anleihen sowie in Aktien. Das Beta-Exposure für Aktien decken wir in großem Stil über Exchange Traded Funds ab. Aktive verwaltete Fonds nutzen wir für Märkte, die über passive Produkte nur unzureichend abgedeckt werden können, wie zum Beispiel Emerging Markets.
In unserem Hedgefonds-Exposure fahren wir ebenfalls einen Core-satellite-Ansatz, wobei der Core-Teil ein institutioneller Dachhedgefonds ist, den wir quasi zum ETF-Preis bekommen. Damit verschaffen wir uns Zugang zum alternativen Beta. Bei unseren Satelliten handelt es sich um einzelne Hedgefonds, bei denen wir ebenfalls stark auf die Kosten achten.
dpn: Was würden Sie Produktanbietern noch gerne mit auf den Weg geben?
Kovats: Für diejenigen, die es eventuell noch nicht erkannt haben: Die Industrie hat sich sehr polarisiert, einerseits in Richtung
Low-margin- und High-volume-Produkte wie Exchange Traded Funds und passive Bausteine, die man auch aktiv einsetzen kann. Sie sind günstig, flexibel handelbar und vor allem transparent. Andererseits geht die Reise zu High-value-added-Produkten, die über eine eindeutige Differenzierung im Vertrieb verfügen. Es gibt leider sehr viel angebliche High-value-added-Angebote, die ihren Glanz schnell verlieren, wenn man hinter die Verpackung schauen kann.
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