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Gerling in neuer Gemeinschaft
Von Klaus Morgenstern

Veröffentlicht am:  29. Juni 2006

Im Mai fand die Suche des traditionsreichen Versicherers Gerling nach einer neuen Heimat endgültig ihren Abschluss: Die Gerling Beteiligungs-GmbH und ihre operativen Tochtergesellschaften wurden nach der Übernahme durch die Talanx-Gruppe nun auch in die Konzernstruktur der Muttergesellschaft integriert. Gleichzeitig fand bei Talanx ein Strukturumbau statt.

Unter dem Dach des Konzerns, der in den vergangenen Jahren eifrig auf Einkaufstour war, hat sich eine größere Runde verschiedener Versicherungsgesellschaften angesammelt. Dazu gehören Aspecta, neue leben, CiV Versicherung, PB Versicherung sowie die Gesellschaften unter der Marke HDI und jetzt auch die Gerling-Töchter.

Im Zuge des Strukturumbaus wurde jeweils eine Sachversicherungs- und eine Lebensversicherungsgruppe formiert. Sie betreiben unter der neuen Marke HDI Gerling ihr Geschäft auf dem deutschen Markt. Über diesen Gruppen steht jeweils eine Zwischenholding, die als Servicegesellschaft fungiert. Beide Holdings gehören zu 100 Prozent der Talanx AG und erledigen die Zentralfunktionen für das Leben- und Sachgeschäft.

Bei der Zusammenfassung kam Talanx zu Gute, dass sich der Vertrieb der einzelnen Gesellschaften recht gut ergänzt. Die Aspecta zum Beispiel kooperiert nur mit Maklern. Gerling hingegen verfügt über eine beachtliche Außendienstorganisation. „Talanx und Gerling haben im Firmen- und Privatkundengeschäft bislang über unterschiedliche Vertriebswege gearbeitet. Gemeinsam bilden wir jetzt nahezu alle Vertriebswege inklusive einiger Nischenmärkte in einem Konzern ab“, bilanzierte Dr. Christian Hinsch, Vorstandsmitglied der Talanx AG sowie Vorstandsvorsitzender der HDI Versicherungen und mit Wirkung zum 1. Juni auch Chef der Gerling-Konzern Allgemeine Versicherungs-AG. Große Hoffnung setzt Talanx auf die neu hinzugewonnene Ausschließlichkeit, die unter der neuen Marke HDI Gerling weiter aufgerüstet werden soll.

Das Sachgeschäft wird in drei Segmenten betrieben: HDI Gerling Firmen und Privat übernimmt das beratungsintensive Geschäft mit einem besonderen Fokus auf gewerbliche Kunden. Die Tochter HDI Direkt begibt sich ins Niedrigpreissegment und soll vor allem in Bereichen aktiv werden, in denen ein hoher Kostendruck herrscht (zum Beispiel Belegschaftsgeschäft, Annex-Geschäft, Direkt-Service). Mit HDI Direkt hat sich der Konzern viel vorgenommen. Die Tochter soll die Kostenführerschaft im deutschen Kompositversicherungsmarkt anstreben.

In einem dritten Bereich wurde das Industriegeschäft zusammengefasst. Die HDI Gerling Industrie Versicherung AG bedient Konzerne und mittelständische Unternehmen, die einen Umsatz von mehr als fünf Millionen Euro einfahren. Hier wurde das Know-how gebündelt, das sowohl Gerling als auch der HDI in der Industrieversicherung schon hatten. Durch die größere Einheit sei es langfristig möglich, den Industriekunden größere Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, ließ Talanx verlauten.

Das Industriegeschäft wird damit im Konzern weiterhin eine tragende Rolle spielen: Nach den Zahlen des vergangenen Jahres nahm die HDI Gerling Industrie Versicherung rund 2,5 Milliarden Euro Prämien ein. HDI Gerling Firmen und Privat AG hatte zusammengefasste 750 Millionen Euro und HDI Direkt rund 800 Millionen Euro. In einer vierten Tochter sind schließlich unter einem Dach alle ausländischen Unfall- und Schadenversicherer gebündelt (HDI Gerling International Holding AG).

Auch in der LV-Sparte setzt der Konzern auf die neue Ausschließlichkeit. Die Lebensversicherer von Talanx haben bislang ihr Schwergewicht entweder bei den Maklern und freien Vertrieben oder in der Bankenlandschaft. Da Gerling aber auch über etliche Makleranbindungen verfügt, installierte Talanx eine neue Vertriebsgesellschaft für den Vertriebsweg Makler und freie Vertriebe, an die alle Produktlieferanten in der LV-Sparte angekoppelt werden. Mit dieser neuen Gesellschaft soll ein überdurchschnittliches Wachstum in der Lebensversicherung erreicht werden. Außerdem wurden die Einheiten für die betriebliche Altersversorgung zusammengefasst (Pensionskasse, Pensionsfonds, Pensionsmanagement und –beratung). Gerling ist bekanntlich eine traditionelle Adresse für das bAV-Geschäft. Der HDI hatte sich seit einiger Zeit ebenfalls in diesem Segment positioniert.

Auf der Basis der Zahlen aus dem vergangenen Jahr kommt die LV-Gruppe auf Prämieneinnahmen von 2,8 Milliarden Euro. Dazu müssen dann noch die Einnahmen der Bank- und Postvertriebsgruppe des Talanx-Konzerns (CiV Versicherungen, PB Versicherungen und neue leben) von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gerechnet werden.

Durch ein starkes organisches Wachstum im Privatkundengeschäft und einen ertragsorientierten Ausbau des Industriegeschäfts soll der Personalabbau, der sich aus der Zusammenführung der Gruppen ergibt, in Grenzen gehalten werden. Ganz zu vermeiden wird er nicht sein. Bei den genauen Zahlen hält sich der Talanx-Konzern aber ebenso bedeckt wie zur Zukunft der einzelnen Standorte.

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